Ski alpin
Lieber Gold-Rosi als Pech-Marie

Das waren einfach Wettkämpfe, die einem im Gedächtnis bleiben.

Rosi Mittermaier ist eine Legende der deutschen Sportgeschichte. Seit ihren beiden Goldmedaillen bei den Olympischen Winterspielen 1976 ist sie für jedermann die Gold-Rosi. "Es verwundert mich selber, dass das schon so lange her ist", sagt sie zum 40-Jahre-Jubiläum.

Garmisch-Partenkirchen. Die Ski sind inzwischen viel kürzer, ein Helm für sie selbstverständlich - nur der Spitzname ist in 40 Jahren gleich geblieben. Seit den beiden Olympiasiegen bei den Winterspielen in Innsbruck 1976 ist Rosi Mittermaier für alle die Gold-Rosi. "Pech-Marie wäre schlechter", meint die inzwischen 65 Jahre alte ehemalige Skirennfahrerin.

Hier ein Interview, dort ein Fernsehauftritt - Mittermaiers Popularität ist ungebrochen. Zum Jubiläum ist es besonders gut zu erkennen. "Das ist jetzt 40 Jahre her. Ich werde oft daran erinnert", berichtet sie. Auf der Straße erzählen ihr Leute dann, wie und wo sie die Rennen verfolgt haben, die Mittermaier zum Superstar machten.

Die Abfahrt am 8. Februar 1976, drei Tage später der Slalom - auch Mittermaier kann sich noch bestens an ihre beiden Fahrten zu Gold erinnern. "Ich kann natürlich immer noch genau sagen, wo die Tore beim Rennen standen. Das waren einfach Wettkämpfe, die einem im Gedächtnis bleiben", sagt die Mutter von Felix Neureuther, dem inzwischen erfolgreichsten deutschen Skirennfahrer der Weltcup-Geschichte.

Schon bei den Olympischen Spielen vier Jahre zuvor, im japanischen Sapporo, zählte Mittermaier zu den Medaillenfavoritinnen. Dass es dann vier Jahre später nur gut 100 Kilometer Luftlinie von ihrer Heimat Reit im Winkl entfernt gleich im ersten Rennen zur Goldmedaille reichte, war für die stets bescheiden auftretende Sportlerin eine Erleichterung. "Im ersten Rennen hat jeder eine Medaille erwartet - dann war sie da, und ich konnte locker auffahren", erzählt sie.

In jener Saison holte sie bei den Winterspielen neben den beiden Goldmedaillen noch Silber im Riesenslalom. Alle drei Wettbewerbe zählten auch als Weltmeisterschafts-Rennen, dazu kam WM-Gold in der Kombination - und am Ende des Winters der Sieg im Gesamtweltcup.

Auf dem sportlichen Höhepunkt beendete Mittermaier ihre Karriere im Alter von nur 25 Jahren. "Olympische Spiele und Weltcup gewonnen, im gleichen Jahr - mehr ist nicht möglich", begründete sie diesen Entschluss vier Jahrzehnte später. "So viele Menschen haben gesagt, da hast du keine Ruhe mehr zum trainieren. Außerdem haben sich Türen geöffnet. Ich konnte Verträge schließen. Das war die Möglichkeit, eine Existenz zu gründen."

Erst vor kurzem war sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Christian Neureuther auf der Axamer Lizum südwestlich von Innsbruck, am Ort ihres größten sportlichen Erfolges. Zum erst dritten Mal überhaupt. "Mein Leben wird immer auf '76 und Olympia reduziert. Ich kann verstehen, dass das für die Menschen wichtig ist - aber für mich ist das nie das Wichtigste gewesen", sagt sie.
Das waren einfach Wettkämpfe, die einem im Gedächtnis bleiben.Rosi Mittermaier
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