Ski alpin
Streif ist wie Formel-1-Fahren

Kitzbühel. Kein anderes Rennen fasziniert Zuschauer, Medien und vor allem die Skirennfahrer selbst so sehr wie der 3,3 Kilometer lange Höllenritt über die Streif in Kitzbühel. "Es ist wie Formel-1-Fahren in Monaco. Da gibt es kein Gras und keinen Schotter als Puffer. Da fährst du in die Wand. Wir haben keine Wand, aber ein Netz", meinte Favorit Aksel Lund Svindal aus Norwegen zur Faszination nach dem Abschlusstraining am Donnerstag. "Dieser Kurs verzeiht keine Fehler. Es gibt viele Stellen, an denen du bei einem Fehler nicht einfach ein Tor verfehlst, sondern im Netz landest." Kitzbühel ist der Höhepunkt des Winters - für viele selbst in Jahren mit Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften. Ganz so radikal ist Svindal mit seiner Bewertung nicht. "Ich würde das nicht für zwei Siege woanders eintauschen. Es ist das größte Weltcup-Rennen, das wir haben. Aber ist es doppelt so groß wie jedes andere Rennen? Das glaube ich nicht", sagte er. "Wenn ich die Wahl hätte, wo ich gewinne, dann ist die klar. Jeder will hier gewinnen." Im Super-G ist ihm das schon gelungen, auf der Abfahrt noch nicht.

Die Sieger von Super-G und Kombination am Freitag bekommen eine eigene Gondel in Kitzbühel, Felix Neureuther könnte sich am Sonntag im Slalom bereits seine dritte sichern - doch der wichtigste erste Platz ist und bleibt der bei der Abfahrt am Samstag. Und mit der Empfehlung von vier Saisonsiegen in der Schussfahrt ist Svindal der große Favorit. Im letzten Training wurde er bei der überraschenden Bestzeit des Italieners Mattia Casse Sechster.

Allerdings macht sich auch Österreich Hoffnungen auf einen Heimsieg. Der Gewinner von 2014, Hannes Reichelt, war schon vergangene Woche in Wengen nur 0,19 Sekunden langsamer als Svindal und hat für die Streif ein gutes Gefühl. Zudem setzen die Fans in Rot-Weiß-Rot auf das Gesetz der Serie: 1936, 1946, 1956, 1966, 1976, 1986, 1996 und 2006 gewann ein ÖSV-Athlet die Abfahrt.

Für die Gastgeber ist Kitzbühel noch mehr Mythos als für den Rest der Welt. Aber auch der im südlichen Ruhrgebiet aufgewachsene deutsche Starter Andreas Sander kann die Bedeutung beschreiben: "Für mich ist Kitzbühel immer noch die schwerste Strecke der Welt", sagte er. "Es gibt wahnsinnige Sprünge, du brauchst wahnsinnig viel Mut."

Der Lohn für die Mühen: neben Ruhm das höchste Preisgeld im Weltcup. In diesem Winter gibt es die Rekordsumme von 645 000 Euro.
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