Skifliegen
Schock-Diagnose nach dem Horror-Sturz

Der Horror-Sturz vom Mittwoch hat für Skispringer Lukas Müller schlimme Folgen. Der 23-jährige Österreicher ist querschnittsgelähmt. Bild: dpa
Sport DE/WELT
Deutschland und die Welt
16.01.2016
63
0

Die WM-Flugshow am Kulm wird vom Sturz-Drama um Lukas Müller überschattet. Der Österreicher ist querschnittsgelähmt. Eine seriöse Prognose über seine Heilungschancen ist momentan nicht möglich.

Bad Mitterndorf. Dem Horror-Sturz folgte die Schock-Diagnose: Skispringer Lukas Müller ist querschnittsgelähmt. Der 23-jährige Öster-reicher könne "die Beine derzeit nicht bewegen", teilte Franz-Josef Seibert, Unfallchirurgie-Vorstand am Uni-Klinikum Graz, am Freitag mit. Ob Müller irgendwann wieder gehen könne, sei offen. "Es wäre unseriös, zum jetzigen Zeitpunkt eine fixe Aussage dazu zu machen", erklärte Seibert. Nach Angaben des Ärztlichen Direktors Gernot Brunner sei dies eine "Frage von Monaten oder sogar einem Jahr. Derzeit kann sie niemand auf der Welt beantworten."

Das Sturz-Drama um den Junioren-Weltmeister von 2009, der die Diagnose laut Seibert "relativ gefasst" aufgenommen hat, löste im Springerlager große Betroffenheit aus. "Das geht nicht spurlos an einem vorbei", sagte der viermalige Olympiasieger Simon Ammann. Der Schweizer war im Vorjahr in Bischofshofen schwer gestürzt, hatte aber keine bleibenden Schäden davongetragen.

Werner Schuster betroffen


"Mir tut es extrem weh, dass er so schwer verletzt ist. Das ist tragisch für ihn", sagte Bundestrainer Werner Schuster. Der Österreicher in deutschen Diensten kennt Müller noch aus seiner Trainerzeit am Skigymnasium Stams. "Ich hoffe, dass er die Kraft hat, im wahrsten Sinne des Wortes wieder auf die Beine zu kommen." Auch Thomas Morgenstern, der 2014 ebenfalls am Kulm schwer gestürzt war und einige Monate danach seine Karriere beendete, äußerte sich betroffen. "Es ist eine emotionale Geschichte für mich, denn ich kenne Luki sehr gut und war ein Mitgrund, dass er zum Skispringen gekommen ist", sagte der Österreicher.

Innerhalb eines Jahres beklagt der Skisprung nach dem Amerikaner Nick Fairall das zweite Opfer mit schwersten Verletzungen. Fairall hatte bei seinem Sturz beim Tournee-Finale 2015 in Bischofshofen ebenfalls eine schwere Wirbelverletzung erlitten. Der 26-Jährige, der die WM am Kulm als Zuschauer verfolgt, hatte erst vor zehn Tagen bei einer Pressekonferenz von seiner Leidenszeit berichtet. Er sitzt seither im Rollstuhl.

Dieses Schicksal wird Müller zunächst teilen. Er hatte sich am Mittwoch bei seinem schweren Sturz in Bad Mitterndorf den sechsten und siebten Halswirbel gebrochen. "Es liegt eine inkomplette Querschnittslähmung vor", teilte Seibert mit. Durch die erfolgreich verlaufene Operation der unteren Halswirbelsäule seien zumindest die Voraussetzungen für eine mögliche Heilung geschaffen worden, erklärte er weiter. Man habe mit ersten Mobilisierungsmaßnahmen begonnen.

Müller muss für einige Tage zur Beobachtung auf der Intensivstation bleiben, weil durch die Lähmung auch die Rumpf- und Atemmuskulatur beeinträchtigt wird. Nach Auskunft der Ärzte ist er bei Bewusstsein und muss nicht mehr künstlich beatmet werden.
Es liegt eine inkomplette Querschnittslähmung vor.Franz-Josef Seibert, Unfallchirurgie-Vorstand am Universitätsklinikum Graz
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.