So blickt das Ausland auf die deutsche WM-Affäre

Ganz unterschiedlich reagieren die Nachbarn Deutschlands auf die Affäre des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Einige schauen ganz genau hin, andere interessiert die Causa der WM-Vergabe 2006 wenig.

England

Die Engländer fühlen sich um die WM 2018 betrogen und schauen mehr nach Russland und Zürich als nach Deutschland. Die DFB-Affäre schafft es in die Schlagzeilen, aber kaum in die Kommentarspalten, die für Schimpftiraden gegen Blatters Fifa reserviert bleiben. Kritik gibt es aber am Umgang des DFB mit der Krise und der Salami-Taktik. Das Boulevardblatt "Sun" ist mit seinem Statement "Der deutsche Fußball bricht zusammen" die Ausnahme.

Italien

In Italien interessieren der Skandal kaum. Die Durchsuchungen sind den Zeitungen am Mittwoch allenfalls eine knappe Meldung wert - große Verwunderung oder Aufsehen lösen die Vorfälle im skandalerprobten Italien nicht aus. Auch über den Fifa-Skandal wird nur zurückhaltend berichtet.

Schweiz

In der Heimat von Fifa und Uefa ist das Interesse an den Vorgängen beim DFB groß. Die Medien berichten ausführlich über den "Skandal um die Vergabe des Sommermärchens" (Boulevardzeitung "Blick"). Der Zürcher "Tages-Anzeiger" titelt gar: "Wie bei Al Capone" und stellt die Frage, wann sich die Staatsanwaltschaft an die "Lichtgestalt des deutschen Fußballs" Franz Beckenbauer herantrauen werde.

Österreich

Die Medien in Österreich berichten sehr ausführlich über die Steuerrazzia beim DFB. Der Tenor der Kommentare: Die Unschuld ist verspielt, die Deutschen sind keine Heiligen. "Den guten Ruf haben sie verspielt", schreibt der "Kurier". Die "Kronen Zeitung" konstatiert: "Worte wie Korruption, Steuerhinterziehung und Razzia machen aus der Sage, dass alle Deutschen gut sind, eine Geschichte ohne Happy End."

Spanien

Der DFB-Skandal interessierte in den vergangenen Wochen nur am Rande. Nach der Razzia am Dienstag gibt es aber kommentierende Berichterstattung. Die Madrider Sportzeitung "AS" schreibt am Mittwoch: "Für die Deutschen könnten der gestrige Tag als der schwärzeste ihres Fußballs in Erinnerung bleiben." "La Vanguardia" beschreibt "immer mehr Risse" im Bild des Sommermärchens von 2006.
Weitere Beiträge zu den Themen: November 2015 (9610)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.