Sorgenfalten bei Cortina

Eine mögliche WM-Teilnahme von NHL-Star Seidenberg wird für das deutsche Eishockey-Team immer wichtiger. Vor der WM-Generalprobe gegen Slowenien werden die Personalprobleme für Bundestrainer Cortina größer, eine Entscheidung Seidenbergs steht aber immer noch aus.

Drei weitere Absagen und die Geduldsprobe um NHL-Star-Verteidiger Dennis Seidenberg machen die Probleme für Eishockey-Bundestrainer Pat Cortina drei Tage vor dem WM-Beginn immer größer. Vor der Generalprobe am Mittwoch in Berlin gegen Slowenien um den zweimaligen Stanley-Cup-Sieger Anze Kopitar ereilten den nach der WM wohl aus dem Amt scheidenden Cortina die Absagen Nummer 18, 19 und 20. NHL-Stürmer Marcel Goc von den St. Louis Blues muss für die Weltmeisterschaft in Tschechien aus persönlichen Gründen ebenso passen wie die verletzten Mannheimer Denis Reul und Frank Mauer. "Wenn ich sagen würde, das macht mir keine Sorgen, würde ich lügen", sagte Cortina. "Bei Marcel Goc läuft im Sommer der Vertrag aus. Sein Traum ist es, noch einen Vertrag in der NHL zu bekommen. Da ist ihm dann das Verletzungsrisiko zu groß", erläuterte der Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), Franz Reindl, die Absage Gocs.

Besonders problematisch ist die Situation vor dem ersten deutschen WM-Spiel am Samstag gegen Frankreich (16.15 Uhr/Sport 1) aber in der Abwehr. Dass Reul nach einer starken Saison und dem Meistertitel mit den Adlern verletzt absagen musste, macht die Lage noch prekärer. Zuvor hatte bereits der WM-Kapitän von 2014, Berlins Frank Hördler, ebenso abgesagt wie Ex-NHL-Profi Alex Sulzer von den Kölner Haien und dessen Clubkollege Torsten Ankert. "Ich glaube an die Jungs, die ich habe. Es kann sowieso keine Entschuldigung sein", meinte Cortina, dessen Vertrag nach der WM endet und wohl nur bei einem herausragenden WM-Ergebnis noch verlängert wird.

Klassenverbleib das Ziel

Alles andere als der Klassenverbleib scheint angesichts der Personalproblematik derzeit aber utopisch zu sein. "Uns bleibt nichts anderes, als positiv in die WM zu gehen. Realistisch können wir um den fünften oder sechsten Platz in der Gruppe mitspielen", meinte Reindl. Dies würde am Ende für den Klassenverbleib reichen. Vor diesem Hintergrund ist das Hoffen, Bangen und teils gar Betteln um Seidenberg verständlich. Seit dem 11. April ist die NHL-Saison für dessen Boston Bruins bereits beendet. "Wenn es mir körperlich gut geht, würde ich auf jeden Fall spielen", hatte der Stanley-Cup-Sieger von 2011 auch gesagt.

Eine Zusage steht aber bis heute aus. Trotz der immensen Personalprobleme, trotz mehrerer Bitt-SMS von Reindl, trotz der Nominierung des früheren Bruins-Co-Trainers Geoff Ward als Cortinas WM-Assistent, trotz der Aussicht auf das Duell mit NHL-Superstar Sidney Crosby im zweiten WM-Spiel gegen Kanada am Sonntag und trotz einer möglichen gemeinsame WM mit seinem Bruder Yannic Seidenberg.

Eigentlich wollte Seidenberg Cortina bis zum Wochenende eine Entscheidung mitteilen. Ein Telefonat am Sonntagabend brachte ebenso wenig Klarheit wie eins am Montag. Weitere Gespräche in Boston seien notwendig, hieß es.
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