SpVgg SV führt und scheitert im Elfmeterschießen
Bitterer Pokalabend

Bild: Armin Eger
Weiden. (af) Schmerzvoller hätte der Pokalabend für die Spieler der SpVgg SV Weiden nicht verlaufen können. 90 Minuten lang hatten sie gekämpft und gerackert, alles in die Waagschale geworfen und dem Favoriten Paroli geboten. Nur Sekunden fehlten in der regulären Spielzeit zum grandiosen Triumph. Und dann entschied auch noch ein einziger Fehlschuss im Elfmeterschießen gegen die Schwarz-Blauen. Grausamer kann Fußball nicht sein.

„So eine Niederlage ist bitter“, ärgerte sich Kapitän Thomas Wildenauer. „Wir können zwar stolz sein auf das, was wir geleistet haben. Aber die Trauer ist riesig.“ Dass die 2200 Zuschauer stehend applaudierten, mag Balsam auf die Wunde sein. Die riesengroße Enttäuschung lindern kann es nicht.

Nach einem dramatischen Spiel und einem nervenaufreibenden Elfmeterschießen schlägt die SpVgg Unterhaching die SpVgg SV Weiden mit 8:7. Bilder von Armin Eger


Dabei lieferten die Gastgeber dem Favoriten von Beginn an ein Spiel auf Augenhöhe. Der Bayernligist nahm den Kampf an, erzwang immer wieder Ballverluste des Gegners und beschränkte sich nicht nur auf Defensivarbeit. Von einem Zweiklassenunterschied war nichts zu sehen. Im Gegenteil: Mit überfallartigen Gegenstößen brachten die Weidener den Kontrahenten mehrmals in arge Verlegenheit. Bei drei dicken Chancen hatte der Underdog die Führung auf dem Fuß. In der 22. Minute rutschte Michael Riester in einen Flankenball, das Leder verfehlte nur knapp sein Ziel. Bei platzierten Schüssen von Ralph Egeter und Fritz Lieder hatte Gästekeeper Yannik Öttl Mühe, die Geschosse zu entschärfen (35./44.).

Auf der Gegenseite besaß auch Haching Chancen, die dickste in Minute 7: Zunächst klärte Johannes Kohl einen Schuss von Pascal Köpke kurz vor der Linie, Sekundenbruchteile später kopierte Thomas Wildenauer beim Nachschuss von Anon Abelski die Rettungstat seines Teamkollegen. Ansonsten enttäuschten die Blau-Roten über weite Strecken.

Nach dem Wechsel nahm das Spiel des Drittligisten mehr Fahrt auf. Die Aktionen der Gäste wurden zwingender, eine Lücke in der Weidener Abwehr ergab sich aber zunächst nicht. Der Bayernligist blieb geduldig und setzte kaltschnäuzig den Konter: Thomas Wildenauer wühlte sich durchs Mittelfeld, spielte steil auf Michael Riester und der spitzelte den Ball zum 1:0 ins Netz (67.). Die SpVgg-SV-Fans standen Kopf.

Ausgleich in sechs Minuten

Der Pokal-Wahnsinn nahm seinen Lauf. Haching entblößte seine Abwehr und lief erneut in einen Konter: Lieder nahm nach einer Flanke von links Maß und drosch den Ball zum 2:0 ins linke untere Eck (76.). Der Favorit war angezählt, und schaffte dennoch den Anschlusstreffer. Alon Abelski verkürzte mit einem Schrägschuss aus sieben Metern zum 1:2 (84.). Danach spielten sich turbulente Szenen vor dem Weidener Tor ab. Haching drückte vehement. Abelskis Knaller landete am Pfosten, dann jagte Köpke in der 90. Minute den Ball zum 2:2 in die Weidener Maschen. Entsetzen bei den Weidener Anhängern, der Favorit hatte den Kopf aus der Schlinge gezogen.

Selbst im Elfmeterschießen hielten die Weidener noch dagegen. Die ersten fünf Schützen trafen, allerdings blieben auch die Hachinger ohne Fehlversuch. Dann scheiterte Johannes Scherm am SpVgg-Keeper Öttl und Lucas Hufnagel machte für den Favoriten alles klar. Statt der SpVgg SV darf sich nun Unterhaching über das Startrecht im DFB-Pokal und 140 000 Euro Antrittsgeld freuen. Die Weidener müssen sich allerdings nicht zu sehr grämen, haben sie doch eine überragende Pokalrunde gespielt – wenn auch ohne Happyend.

Trainerstimmen:

Christian Stadler (SpVgg SV Weiden): „Wir haben eine tragische Rolle in diesem Pokalfinale gespielt. Beim Stand von 2:0 hatte ich geahnt, dass, wenn jetzt der Anschlusstreffer fällt, es schwer wird. Wir haben wieder ein tolles Pokalspiel gezeigt. Aber der zweite Platz zählt nun mal nicht. Nur der Gewinner hat das große Los gezogen.“

Claus Schromm (SpVgg Unterhaching): „Es ist nicht das erste Mal, dass wir einen 0:2-Rückstand aufgeholt haben. Ich habe auch diesmal daran geglaubt. Ich habe aber brutalen Respekt vor dem, was mein Weidener Trainerkollege und seine Mannschaft hier geleistet haben. Wir sind gerade noch einmal davongekommen.
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