Staatsanwältin kritisiert „PR-Aktion“ von Manuel Charr
Gefängnis für Schuss auf Profi-Boxer

Manuel Charr. Bild: dpa

Essen. Trotz aller Versöhnungsgesten: Nach dem Attentat auf Profiboxer Manuel Charr ist der Täter (25) am Montag zu fünf Jahren Haft verurteilt worden - wegen gefährlicher Körperverletzung. Dabei hatte er bis zuletzt auf Bewährung gehofft. Charr (31) selbst musste harte Kritik einstecken. Weil sich der Boxer geweigert hatte, zu den Hintergründen der Tat auszusagen, hatte das Schwurgericht Essen sogar mit Beugehaft gedroht.

Beim Urteil schimpfte Richter Andreas Labentz: "Das war vielleicht ein Tanz mit ihrer Aussage. Sie haben hier keine Pressekonferenz zu geben. Sie haben auszusagen." Zuvor habe Oberstaatsanwältin Birgit Jürgens das Gefühl einer "Art PR-Veranstaltung" gehabt, sagte sie im Plädoyer. Dazu habe nicht nur das ständige Gerede von Vergebung beigetragen, sondern auch das Ausschlagen von 15 000 Euro Schmerzensgeld, die der Angeklagte anbot.

Die Richter sind sich allerdings bis heute noch nicht sicher, was die Bluttat vom 2. September wirklich ausgelöst hat. Damals war der Täter mit einer halbautomatischen Waffe in ein Essener Döner-Restaurant gestürmt und hatte auf Charr geschossen. Die Kugel drang in den Unterbauch ein. In einer mehrstündigen Operation wurde Charr gerettet. Im Prozess hieß es, dass es dabei um ein Facebook-Video einer Niederlage Charrs ging, das der Angeklagte hochgeladen hatte. Später waren übelste Beleidigungen ausgetauscht worden. Aber war das wirklich alles? Das Schwurgericht ist sich da nicht so sicher. Einen anderer Hintergrund sei im Prozess jedoch nicht offenbart worden. "Es war nicht zu übersehen, dass es Zeugen gab, die schlichtweg Angst hatten, hier eine Aussage zu machen", sagte Labentz. Charr hatte noch einmal beteuert, dass er keinen Groll gegen den Angeklagten hege.
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