Sturz: Tour-Aus für Martin

Wie ein Häufchen Elend sitzt Tony Martin nach dem Sturz auf der Straße in Le Havre. Der Deutsche quälte sich zwar noch ins Ziel und verteidigte das Gelbe Trikot, doch der Schlüsselbeinbruch lässt eine Fortsetzung der Tour de France nicht mehr zu. Bild: dpa

Für Tony Martin ist die Triumph-Fahrt in Gelb beendet. Bei einem Sturz kurz vor dem Ziel der sechsten Etappe brach sich der Deutsche das Schlüsselbein. Weiterfahrt unmöglich. Am Abend wurde er zur Operation nach Hamburg geflogen

Tony Martin stand die Enttäuschung ins bleiche Gesicht geschrieben, als er der Tour de France tieftraurig "Au Revoir" sagte. "Bis zum Etappensieg war es eine Achterbahn der Gefühle. Der heutige Tag setzt dem Ganzen die Krone auf. Das ist bitter. Solche Geschichten kann nur die Tour de France schreiben. Ich hoffe, dass der Tag kommt, an dem ich darüber schmunzeln kann", sagte ein geknickter Tony Martin auf einer Pressekonferenz.

Unmittelbar vor ihm war sein Gelbes Trikot platziert, die letzte Erinnerung an atemberaubende Tage bei der 102. Frankreich-Rundfahrt. Denn am Abend der sechsten Etappe von Abbeville nach Le Havre stand fest: Martin muss mit einem offenen Schlüsselbeinbruch aufgeben. Noch am Abend ging der Flieger nach Hamburg, wo er in der Nacht im BG-Unfallkrankenhaus operiert werden sollte. "Die OP wird ein Puzzle, ist aber ein Routine-Eingriff. In sechs Wochen kann er wieder Rennen fahren", sagte Teamarzt Helge Riepenhof der dpa.

Vier Stunden vorher hatte sich das Malheur weniger als 1000 Meter vor dem Ziel in Le Havre ereignet, als er auf seine linke Schulter krachte. Eskortiert von vier Teamkollegen quälte sich Martin mit großen Schmerzen die letzten Meter bis ins Ziel. "Ich wollte mir die Möglichkeit offen halten, noch an den Start zu gehen", erklärte Martin, der aber schon ahnte, dass etwas gebrochen ist.

Die Bestätigung erhielt er schließlich in der Röntgenstation der Tour. "Das Schlüsselbein ist außen in mehrere Teile gebrochen. Ein Knochenteil durchdrang die Haut", erklärte Riepenhof. Der Chirurg habe Martin je gesagt, dass es unmöglich sei weiterzufahren, erklärte Lefevere. Der Teamchef bedauerte Martins Ausfall: "Er wird uns in den nächsten Tagen im Sprintzug von Cavendish und im Mannschaftszeitfahren fehlen."

Zu gern wäre er nochmal in Gelb gestartet. Der 30-Jährige verteidigte seine Spitzenposition mit zwölf Sekunden Vorsprung auf Christopher Froome erfolgreich, weil er innerhalb der Drei-Kilometer-Marke zu Fall kam. In diesem Streckenabschnitt vor der Ziellinie werden bei Stürzen die Zeitrückstände nicht berücksichtigt. Wenig später war mit dem verkündeten Rückzug die Führung aber dahin. Auch der Sieg von Etixx-Teamkollege Zdenek Stybar (Tschechien) konnte keinen im Team wirklich trösten.

Dass John Degenkolb seinem Happy End erneut vergeblich hinterherjagte, passte an dem so bitteren Tag für die deutschen Radprofis ins Bild. Degenkolb landete nach 191,5 Kilometern von Abbeville nach Le Havre hinter Stybar, dem Slowaken Peter Sagan und Bryan Coquard aus Frankreich auf dem vierten Platz und muss damit weiter auf einen Sieg bei der Frankreich-Rundfahrt warten.

Nibali unverletzt

Die Schlüsselszene des Rennens war aber der Martin-Sturz. Der Deutsche fuhr einen kleinen Schlenker, touchierte den Franzosen Warren Barguil, wodurch schließlich auch Vorjahressieger Vincenzo Nibali zu Fall kam. Der Italiener überstand das Malheur aber unverletzt.
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