Teamgeist soll USA in die Knie zwingen

Nadine Angerer (links) war die Heldin des Viertelfinalsieges über Frankreich: Die Torfrau parierte einen Elfmeter und sorgte so für den Halbfinaleinzug. Die deutschen Spielerinnen (in der Mitte Sara Däbritz aus Ebermannsdorf) feierten die Torhüterin nach vollbrachter Tat. Bild: dpa

Erst der Kraftakt gegen Frankreich, nun der Klassiker gegen die USA: Nach dem Happy End im Elfmeterkrimi gegen die Französinnen bereitet sich die Auswahl von Bundestrainerin Silvia Neid auf den nächsten WM-Kracher in Kanada vor.

Im wohl ausverkauften Olympiastadion von Montreal muss die DFB-Auswahl am Dienstagabend (Mittwoch, 01.00 Uhr MESZ/ARD und Eurosport) im Halbfinale gegen die US-Girls mit einer ähnlich feindseligen Atmosphäre rechnen wie bei der spektakulären Nadine-Angerer-Show gegen "Les Bleues".

"Für uns ist das kein Problem. Wir sind jetzt so heiß, es macht total Spaß in dem Stadion. Ich freue mich riesig darauf und würde am liebsten sofort wieder spielen", betont Melanie Behringer, die sich wie ihre Teamkolleginnen beim Showdown gegen Frankreich auch von den Pfiffen und Buhrufen der Zuschauer nicht aus der Ruhe bringen ließen. "Bei meinem Elfer habe ich gar nichts mitbekommen", berichtet Babett Peter. "Ich schätze, gegen die USA wird es ähnlich sein."

"Wenn wir nach Frankreich auch noch die USA ausschalten, können wir stolz sein - der Weg ins Finale hätte nicht härter sein können", betont Melanie Leupolz im Interview des "Münchner Merkur". Die Partie werde sicher "nicht deutlich leichter", meint die Mittelfeldspielerin des FC Bayern. Aber mit der Einstellung aus der zweiten Halbzeit und der Verlängerung des Frankreich-Spiels "werden sie es sehr schwer haben, uns zu schlagen". Leupolz klingt selbstbewusst und entschlossen: "Wir wollen unseren Titeltraum wahr werden lassen. So kurz vor dem Finale ist das Endspiel das klare Ziel."

Elfmeter-Heldin Angerer, die gegen Frankreich den entscheidenden Strafstoß parierte hatte, erwartet im Duell der zweimaligen Weltmeister ein Spiel mit völlig anderem Charakter. Im Gegensatz zu den französischen Edeltechnikerinnen lebt das Team von Jill Ellis von der Kraft, von hoher Laufbereitschaft und unbedingtem Siegeswillen. Spielerisch ist es im Mittelfeld, das stets schnell überbrückt wird, eher limitiert: "Die USA sind ein richtig starker Gegner mit einer erfahrenen Mannschaft, die viel individuelle Klasse hat. Sie sind sehr athletisch und kommen über ihre Power", erläutert Spielführerin Angerer, die in ihrer zweiten und letzten Saison für die Portland Thorns in der US-Profiliga spielt. Beim 1:0-Viertelfinalsieg der US-Amerikannerinnen über China erzielte Carli Lloyd in der 51. Minute das Tor des Tages.

Bundestrainerin Silvia Neid lobte vor allem die Moral ihres Teams, das gegen die spielerisch klar überlegenen Französinnen auch nach dem 0:1 von Louisa Necib (63.) nie aufgab und an sich glaubte. So fiel der Ausgleich durch Celia Sasic (84./Handelfmeter) zwar spät, aber nicht zu spät. "Ich finde, dass meine Mannschaft richtig charakterstark ist", sagte Neid. Ein Lob, das sich auch Sara Däbritz verdiente. Die in der 70. Minute eingewechselte Nationalspielerin aus Ebermannsdorf arbeitete sehr gut nach hinten und setzte auch bei Offensivaktionen Akzente.

Ob Dzsenifer Marozsan gegen die USA mithelfen kann, ist noch unklar. Die deutsche Nummer 10, die in der zweiten Hälfte gegen Frankreich für frischen Schwung sorgte, hatte sich bei einer Abwehraktion eine Bänderdehnung im ohnehin lädierten linken Sprunggelenk zugezogen.
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