Tennis
Befreit und ohne Angst

Angelique Kerber fordert am Samstag im Finale der Australian Open die große Favoritin Serena Williams heraus. Bild: dpa

Als erste Deutsche seit Anke Huber 1996 steht Angelique Kerber in Melbourne im Finale. Dass dort die beste Tennisspielerin der Welt wartet, macht der deutschen Nummer eins keine Angst. Genießen und überraschen lautet Kerbers Motto für ihr erstes Grand-Slam-Endspiel.

Melbourne. Am Tag vor dem bislang größten Spiel ihrer Karriere gab sich Angelique Kerber völlig entspannt. Beim Training mit Coach Torben Beltz kam der Spaß trotz aller Fokussierung auf das Australian-Open-Finale am Samstag (9.30 Uhr/Eurosport) nicht zu kurz.

Wegen des Regens hatte die Kielerin ihre Einheit in die Halle verlegen müssen. Beim Betreten von Court 3 musste Kerber selbst schmunzeln, als sie sah, wer direkt neben ihr auf dem Platz stand. Ihre Endspiel-Gegnerin Serena Williams schlug unter dem strengen Blick ihres Trainers Patrick Mouratoglou die Bälle mit einer Wucht über das Netz, dass man sich um die Stabilität der Hallenwand ernsthafte Sorgen machen musste.

Doch Kerber machte das keine zusätzliche Angst. "Am Anfang habe ich in den Pausen mal kurz rüber geguckt", gestand die deutsche Nummer eins, "aber ich weiß ja, was mich erwartet und was auf mich zukommt." Die beste Tennisspielerin der Welt wartet auf Kerber.

Williams hat im vergangenen Jahr drei der vier Major-Events gewonnen, in Melbourne hat sie bislang nicht einen Satz abgegeben. "Serena hat hier bislang beeindruckend gespielt. Daher habe ich nichts zu verlieren und kann ganz befreit aufspielen", sagte Kerber.

Druck verspürt sie keinen. Den hatte sie vor ihrem Erstrundenspiel gegen Misaki Doi aus Japan, als sie einen Matchball gegen sich hatte. Und auch im deutschen Duell mit Annika Beck im Achtelfinale oder im Kampf um den Finaleinzug gegen Johanna Konta aus Großbritannien. Eine Niederlage in einem dieser Spiele und die Kritiker hätten sich wieder bestätigt gesehen, dass diese Angelique Kerber nie etwas Großes gewinnen wird.

Doch Kerber nahm all diese Hürden, auch jene gegen ihre Angstgegnerin Victoria Asarenka aus Weißrussland, gegen die sie zuvor noch nie hatte gewinnen können. "Ich habe in den vergangenen zwei Wochen verinnerlicht, dass ich eine der besten Spielerinnen der Welt bin", beschrieb Kerber ihren Reifeprozess im Eiltempo. "Ich bin eine schnelle Lernerin. Wenn ich einen Fehler mache, dann will ich ihn nicht noch einmal machen." Sei einfach du selbst, riet ihr Idol Steffi Graf. Und jetzt steht sie plötzlich als sechste Deutsche im Finale eines Grand-Slam-Turniers.

Klare Außenseiterin


Dass sie gegen Williams, die im Falle eines Triumphes mit 22 Titeln mit Rekord-Grand-Slam-Turnier-Siegerin Steffi Graf gleichziehen würde, klare Außenseiterin ist, ist ihr klar. Allerdings hat Kerber die Amerikanerin 2012 im Viertelfinale von Cincinnati auch schon einmal besiegt. "Von dem Moment an war mir bewusst, dass sie jemand ist, den ich, den jeder, sehr ernst nehmen muss", sagte Williams am Freitag über ihre Kontrahentin aus Norddeutschland.

Die Weltranglisten-Erste wird Kerber also nicht unterschätzen. Dennoch setzt die deutsche Nummer eins darauf, dass sich die 34-Jährige hin und wieder einen Wackler leistet. Dann muss sie da sein. "Ich weiß, dass ich diese Phase nutzen muss", sagte Kerber - damit sich ihre Wunschschlagzeile erfüllt. "Kerber hat ihr erstes Grand-Slam-Turnier gewonnen", wie sie in einem ARD-Radio-Interview sagte.
Serena hat hier bislang beeindruckend gespielt. Daher habe ich nichts zu verlieren und kann ganz befreit aufspielen.Angelique Kerber
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