Tennis
Die neue Angelique Kerber

Voller Übermut wirft Angelique Kerber ihren Schläger weg. Nach dem Sieg im Viertelfinale der Australian Open gegen ihre bisherige Angstgegnerin Victoria Asarenka kannte der Jubel bei der Kielerin keine Grenzen mehr. Bild: dpa

In der Vergangenheit galt Angelique Kerber als nicht tough genug, um auf der großen Bühne zu bestehen. Vor allem bei den Grand Slams reichte es nicht für ganz vorne. 2016 soll das anders werden - und der Auftakt in Melbourne ist vielversprechend.

Melbourne. Das Wochenende vor Beginn der Australian Open ist immer für die Presserunden mit den Stars der Tennis-Branche reserviert. Die Top Ten bei den Damen und Herren stehen dann Rede und Antwort und berichten, wie sie die Vorbereitung verbracht haben und was sie vom ersten Grand-Slam-Turnier der Saison erwarten. Als Nummer sechs der Welt hätte eigentlich auch Angelique Kerber eine solche Pk zugestanden, doch obwohl die Kielerin das Jahr 2015 zum vierten Mal in Serie unter den besten Zehn abschloss, gab es keinen Medientermin mit der deutschen Nummer eins.

Nun wird Kerber darüber nicht sonderlich böse gewesen sein, die kleine Anekdote sagt aber einiges über ihren Stellenwert auf der Tour aus. Kerber wird für ihren Kampfeswillen und ihre Konstanz auf dem Platz geschätzt, großes Interesse löst sie aber nicht aus. Was vor allem auch daran liegt, dass sie bei den vier Grand-Slam-Turnieren zuletzt nicht in Erscheinung trat.

Neue Erkenntnis


Im Urlaub auf den Malediven und danach während der Vorbereitung in der Akademie ihrer Großeltern im polnischen Puszczykowo kam Kerber zu der Erkenntnis, dass sich dies von nun an ändern muss. 2016 wolle sie es bei den Grand Slams "krachenlassen", sagte Kerber Ende des vergangenen Jahres in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung". Fortan wolle sie sich mehr auf die großen Turniere konzentrieren, da, wo es darauf ankommt, ihr bestes Tennis zeigen.

Als sie in Melbourne in der ersten Runde gegen die Japanerin Misaki Doi einen Matchball gegen sich hatte, schienen aber alle guten Vorsätze fast schon wieder verflogen. Doch Kerber überstand diesen kritischen Moment und stürmte danach erstmals in Melbourne ins Halbfinale, wo sie in der deutschen Nacht zum Donnerstag auf die Engländerin Johanna Konta traf. "Sie ist eine Kämpfernatur", lobte Tennis-Legende Boris Becker die deutsche Nummer eins.

Die Art und Weise, wie sie ihre Angstgegnerin Victoria Asarenka am Mittwoch im Viertelfinale zum ersten Mal im siebten Duell besiegte, war beeindruckend. Druckvoll, mutig, variabel und vor allem nervenstärker als oft in der Vergangenheit präsentierte sich Kerber in der Rod Laver Arena. Sie schaffe "es auch bei einem großen Rückstand, die Nerven zu behalten und weiter an sich zu glauben", erklärte Becker.

Julia Görges hat den Einzug ins Doppelfinale klar verpasst. Zusammen mit der Tschechin Karolina Pliskova verlor die 27 Jahre alte Tennisspielerin aus Bad Oldesloe am Mittwoch in Melbourne gegen Martina Hingis und Sania Mirza mit 1:6, 0:6.

Murray gegen Raonic


Der Weltranglisten-Zweite Andy Murray und Milos Raonic aus Kanada haben ihren Halbfinal-Einzugperfekt gemacht. Murray setzte sich gegen den Spanier David Ferrer mit 6:3, 6:7 (5:7), 6:2, 6:3 durch. Raonic bezwang Gaël Monfils aus Frankreich am Mittwoch mit 6:3, 3:6, 6:3, 6:4. Beide treffen nun am Freitag im zweiten Vorschlussrunden-Duell aufeinander. Zuvor kommt es an diesem Donnerstag (9.30 Uhr/Eurosport) zum Giganten-Vergleich zwischen Novak Djokovic und Roger Federer.
Weitere Beiträge zu den Themen: Tennis (240)Australian Open (16)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.