Top-Vereine erhalten Rekordsumme für WM 2018 und 2022
Fifa öffnet Geldschatulle

Fifa-Präsident Joseph Blatter hat sich wieder einmal als gewiefter Taktiker erwiesen. Die Einigung mit den europäischen Spitzenvereinen auf eine hohe Entschädigungssumme für die Weltmeisterschaften 2018 und 2022 hält dem Fußball-Weltverband den Rücken frei. Bild: dpa
Nur einen Tag nach dem historischen Votum für die erste Winter-WM der Fußball-Geschichte in Katar 2022 hat die Fifa ihren größten Widersacher mit einem Griff in ihre prall gefüllte Schatulle schnell beschwichtigen können. Die Top-Clubs bekommen nicht nur für die umstrittene WM im Emirat am Golf, sondern auch schon für das nächste Turnier in gut drei Jahren in Russland die Rekordsumme von 209 Millionen Dollar - umgerechnet rund 195 Millionen Euro - für die Abstellung ihrer Profis. Diesen Coup verkündeten die Fifa und die European Club Association ECA mit ihrem Vorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge am Freitag kurz vor Abschluss der Sitzung des Fifa-Exekutivkomitees in Zürich.

"Aus Sicht der ECA ist das ein sehr erfreuliches Ergebnis. Es markiert einen Meilenstein, den der europäische Club-Fußball gesetzt hat", sagte Rummenigge. Für die WM 2014 in Brasilien hatte die Fifa 70 Millionen Dollar - also umgerechnet rund 65 Millionen Euro gezahlt. Zudem soll die ECA als Vertreterin der Top-Vereine mehr Mitspracherecht bei der Gestaltung des internationalen Spielkalenders erhalten - was angesichts der langen Unterbrechung der Saison 2022/23 von Bedeutung ist. Ein Haken bleibt: Die knapp 200 Millionen Euro gehen nur an die Top-Clubs, die WM-Spieler abstellen.

Valcke: Kein Deal

Katar-Kritik von dieser Seite wird also künftig verstummen. Das ist ein Erfolg für die Fifa. Deren Generalsekretär Jérôme Valcke wies dennoch jeden Zusammenhang zwischen dem Deal und der Winter-WM zurück. "Ich werde niemals das Wort Kompensation in den Mund nehmen. Es ist die Fortsetzung einer Einigung, die wir schon für die Turniere 2010 und 2014 hatten", legte der Franzose eine eigentümliche Sichtweise dar.

Auf besondere Gegenliebe stößt die Katar-WM bei den Spitzenvertretern des deutschen Fußballs weiterhin nicht. Für DFB-Präsident Wolfgang Niersbach ist Vernunft das oberste Gebot. "Es fällt nicht leicht sich mit dem Gedanken abzufinden, dass ein WM-Finale an einem vierten Advent stattfindet, aber aufgrund des Klimas gab es keine Alternative zur Verlegung in die Wintermonate."

Rosiges Bild

Rosiger sieht das Joseph Blatter. Nach seiner jüngsten Reise zum Emir frohlockte der Fifa-Boss angesichts angeblich verbesserter Lage der Menschenrechte. "Wir haben positive Informationen erhalten", versicherte Blatter vor der Weltpresse. Katar spiele "mit offenen Karten". Valcke betonte, dass die Arbeitsbedingungen auf den bisher fünf WM-Baustellen den höchsten Ansprüchen genügen. Dem Fifa-Top-Duo war offenbar klar, dass Menschenrechtsdefizite eine offene Flanke für die Katar-WM bleiben - trotz aller Termin- und Finanz-Vereinbarungen.
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