Torhüter Johannes Ritter darf acht Wochen nicht spielen
Sperre ist nicht gleich Sperre

22 Spieler laufen dem Ball nach - und bei Rot muss man vom Platz. Soweit ist Fußball einfach. Komplizierter wird es bei den anschließenden Sperren, denn die gelten nicht zwingend für alle Spiele. Bild: Ziegler
Amberg. (frü) Die Punkte aus dem Kreisligaspiel gegen den FC Edelsfeld (4:1) sind weg, die Partie wurde mit 0:2 als verloren gewertet. Ebenso der 6:0-Sieg der zweiten Mannschaft vom selben Tag in der A-Klasse Süd gegen den FC Edelsfeld II. Zusätzlich verhängte das Kreissportgericht Amberg/Weiden unter Vorsitz von Lorenz Gebert Geldstrafen in Höhe von insgesamt 190 Euro (plus 40 Euro Verfahrenskosten) und sperrte Torhüter Johannes Ritter für acht Wochen - weil dieser in den beiden Partien "unzulässig eingesetzt" wurde.

Im Achtelfinale des Kreispokals sah Ritter nach einer Notbremse die Rote Karte. Vier Tage später in Edelsfeld stand er dann wieder im Traßlberger Tor. Zunächst im Reservespiel, danach in der ersten Mannschaft. "Ein Urteil lag ja noch nicht vor. Und wir dachten, die Rote Karte im Pokal gilt nur für Pokalspiele, nicht für die Liga", sagt Dieter Zimmer, der Fußball-Abteilungsleiter des SVL.

Der umgekehrte Fall

Auch, weil die Traßlberger eine Woche zuvor den umgekehrten Fall hatten. Im Kreisligaspiel gegen Loderhof bekam Michael Behrend die Rote Karte. Drei Tage später, eben in diesem Pokal-Achtelfinalspiel gegen die DJK Utzenhofen (1:6), spielte er wieder mit - nach einem Anruf beim Vorsitzenden des Kreissportgerichtes. "Er bestätigte uns, dass er spielen darf, da die Sperre für den Platzverweis im Ligaspiel nicht für den Pokal gilt", sagt Zimmer.

Nach der Roten Karte für den Torhüter im Pokal zogen die Traßlberger den Umkehrschluss - und stolperten damit über einen "Fallstrick" in den Statuten. Denn eine Rote Karte in einem Pokalspiel bedeutet auch eine Sperre in Punktspielen. Ritter hätte also am 7. September in Edelsfeld weder in der zweiten noch in der ersten Mannschaft spielen dürfen. "Bei Rot in einem Punktspiel bekommt der Spieler eine sogenannte Spielsperre", erklärt Gebert. "Das heißt, der Spieler wird für eine gewisse Anzahl von Punktspielen - und nur Punktspielen - gesperrt." Liegt in diesem Zeitraum eine andere Partie, Freundschaftsspiel, in der Halle, oder im Pokal, dann dürfe er dort spielen. Wie im Fall von Michael Behrend.

Bei einer Roten Karte in einem Pokalspiel sieht es allerdings anders aus. Gebert: "Da gibt es sogenannte Zeitsperren. Der Spieler wird für einen gewissen Zeitraum gesperrt und darf in dieser Zeit überhaupt nicht spielen. Egal ob Liga, Pokal, Freundschaftsspiel oder Halle."

In dieser Form wurde die Regelung erst im Juni beim Verbandstag des Bayerischen Fußball-Verbandes in Bad Gögging beschlossen und zu Saisonbeginn eingeführt. "Ich war bei zig Tagungen", sagt Dieter Zimmer, "aber von dieser Änderung habe ich nichts gewusst." Vor dem Edelsfeld-Spiel habe er bei Schiedsrichtern und sogar bei einem Sportrichter nachgefragt, aber keine eindeutige Antwort erhalten. Und dann eben falsch entschieden.

"Nichts Schlimmes getan"

Die Strafe für den Verein muss der SVL-Abteilungsleiter so hinnehmen, die acht Wochen für den Torhüter versteht Zimmer aber nicht: "Er hat niemanden verletzt, niemanden beleidigt. Er hat nichts Schlimmes getan. Er hat gespielt, weil wir ihm das gesagt haben. Und dann wird er dafür so hart bestraft."

Hart trifft es auch den Verein, der durch den Abzug der drei Punkte in der Kreisliga Süd von Platz drei auf Rang acht und die "Zweite" in der A-Klasse Süd von Position vier auf Platz sechs abrutschte. Das größte Problem aber: Der SVL Traßlberg steht derzeit ohne Torhüter da. Michael Birkl fällt mit einem Mittelfußbruch rund vier Monate aus, Volker Weiß fehlt wegen einer Leistenverletzung - und Johannes Ritter ist bis zum 18. November gesperrt.
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