Tour de France
Geschunden ins Ziel

Sehen so die Beine eines Tour-de-France-Siegers aus? Nach einem Sturz auf der 19. Etappe rettete sich der Gesamtführende Christopher Froome mit zerrissenem Trikot und schmerzverzerrtem Gesicht ins Ziel. Bei der Siegerehrung trug der Brite eine dicke Bandage ums Knie. Bild: dpa

Froome stürzt, berappelt sich kurz und ist dann fast wieder der Alte: Der Brite setzt seine Triumphfahrt in Richtung dritter Toursieg fort. Alle Dramatik kann ihm offensichtlich nichts anhaben.

Saint-Gervais Mont Blanc. Der Mann im Gelben Trikot ist ein Radsport-Mirakel: Auch ein Sturz bergab auf regennasser Straße konnte Chris Froome auf der schwersten Alpenetappe der Tour de France nicht aus dem Rhythmus bringen. Mit Hilfe seiner Teamkollegen rettete er sich im zerfetzten Gelben Trikot auf der 19. Etappe nach 146 Kilometern ins Ziel. Er blutete am Ellenbogen und an der Schulter. Zur Siegerehrung erschien er mit einem dicken Knieverband.

Unter dem Strich hat Froome seinen Vorsprung im Gesamtklassement vor den letzten 259 Tour-Kilometern sogar noch vergrößert. Der 31-jährige Brite liegt jetzt 4:11 Minuten vor dem Tagessieger Romain Bardet, der am Freitag den heiß ersehnten ersten Sieg für die Gastgeber einfuhr. "Die letzten Meter wollte ich einfach nur genießen - ich weiß nicht, ob ich jedes Jahr so etwas schaffe", sagte Bardet.

Beim Sturzfestival am Freitag war auch der zuvor zweitplatzierte Bauke Mollema aus den Niederlanden zu Fall gekommen. Er verlor seinen Podiumsplatz im Gesamtklassement an den Tagessieger aus Frankreich. Weitere Sturzopfer waren der zweifache Etappengewinner Tom Dumoulin und der Franzose Pierre Roland. Der Niederländer, eigentlich Topfavorit für das olympische Zeitfahren in Rio, stürzte rund 60 Kilometer vor dem Ziel und musste verletzt aufgeben. Erste Diagnose: Bruch der linken Hand.

Emanuel Buchmann, Marcus Burghardt und Tony Martin wollten einen "Tag der Deutschen" inszenieren. Sie waren Mitglieder einer ursprünglich 20-köpfigen Spitzengruppe, die sich kurz nach dem Start zusammengefunden hatte. Ex-Meister Buchmann hielt von den Deutschen vorne am längsten mit den Besten mit. Aber der Druck der Verfolger war zu groß. Auf der letzten Steigung war alles vorbei.

Ergebnisse

19. Etappe: Albertville/Frankreich - Saint-Gervais-les-Bains/Frankreich (146,00 km): 1. Romain Bardet (Frankreich) - Ag2R 4:14:08 Std.; 2. Joaquin Rodriguez Oliver (Spanien) - Katusha + 23; 3. Alejandro Valverde Belmonte (Spanien) - Movistar; 4. Louis Meintjes (Südafrika) - Lampre; 5. Nairo Quintana (Kolumbien) - Movistar + 26; ... 9. Christopher Froome (Großbritannien) - Sky + 53; 24. Emanuel Buchmann (Ravensburg) - Bora-Argon 18 + 4:42; 81. Tony Martin (Kreuzlingen/Schweiz) - Quick Step + 23:03; 96. Paul Voss (Bielefeld) - Bora-Argon 18 + 27:38; 133. Marcel Kittel (Erfurt) - Quick Step; 146. André Greipel (Hürth) - Lotto; 151. Andreas Schillinger (Amberg) - Bora-Argon 18; 169. Marcel Sieberg (Bocholt) - Lotto + 31:44; 173. John Degenkolb (Frankfurt/M.) - Giant-Alpecin

Gesamtwertung: 1. Froome 82:10:37 Std.; 2. Bardet + 4:11; 3. Quintana + 4:27; 4. Adam Yates (Großbritannien) - Orica + 4:46; 5. Richie Porte (Australien) - BMC + 5:17; 6. Fabio Aru (Italien) - Astana + 6:00; 7. Valverde + 6:20; 8. Meintjes (Südafrika) + 7:02; 9. Daniel Martin (Irland) - Quick Step + 7:10; 10. Bauke Mollema (Niederlande) - Trek + 7:42; ... 21. Buchmann + 42:48; 92. Martin + 2:58:04; 130. Greipel + 3:39:49; 147. Degenkolb + 3:54:34; 152. Schillinger + 3:58:17; 165. Kittel + 4:05:16

Die letzten Meter wollte ich einfach nur genießen - ich weiß nicht, ob ich jedes Jahr so etwas schaffe.Romain Bardet, Sieger der 19. Etappe
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