Traum von Olympia lebt

Zehntelsekunden sind wie ein flüchtiger Moment. Für Philipp Wolf bedeuten sie jedoch einen Quantensprung. Bei der Kurzbahn-Europameisterschaft katapultierte sich das Schwimm-Ass in ungeahnte Regionen.

Weiden/Netanya. (af) "Das ist der Hammer" - Peter Dehling, zusammen mit seinem Bruder Wolfgang früher Wolfs Trainer, jetzt sein Mentor, ist am Montag noch immer aus dem Häuschen, als er nach Worten sucht, um die Leistungsexplosion seines ehemaligen Schützlings zu beschreiben. "Eigentlich ist Philipp zur EM gefahren, um zu lernen", sagt Dehling. "Und nun ist er auf internationalem Niveau angekommen."

Jetzt oder nie - Philipp Wolf hat bei den kontinentalen Titelkämpfen in Netanya (Israel) die Chance am Schopfe gepackt. Nach der Halbfinalteilnahme über 100 Meter Schmetterling trat der 23-Jährige aus Altenstadt/WN über 100 Meter Freistil die Flucht nach vorne an, schwamm in souveräner Manier in den Endlauf. Dort schlug er in 47,00 Sekunden als hervorragender Vierter an: Endlich der Durchbruch, endlich das ersehnte Top-Ergebnis bei einem Top-Wettbewerb. "Eine solche Initialzündung hat Philipp gebraucht", freut sich Dehling. "Für ihn ist wichtig, dass der Verband seinen Fähigkeiten vertraut."

Wieder bayerischer Rekord

Es ist nicht nur das blanke Resultat, das zählt. Im Halbfinale unterbot der seit gut drei Jahren für die LG Stadtwerke München startende Wolf erstmals überhaupt eine Schallmauer. "46,80" leuchtete auf der Anzeigetafel auf. Damit verbesserte Wolf seinen erst vor zwei Wochen bei der "Deutschen" aufgestellten bayerischen Rekord nochmals um neun Zehntelsekunden. Die neue persönliche Bestmarke weiß Dehling einzuordnen: "Unter 47 Sekunden fängt auf der Kurzbahn die Weltklasse an. Das ist vergleichbar mit dem 100-Meter-Lauf in der Leichtathletik, wenn einer unter 10,0 sprintet."

In der Weltjahresbestenliste schob sich der Nordoberpfälzer auf Platz sechs, in der ewigen deutschen Bestenliste machte Wolf gar einen Satz auf Rang zwei. Nur Kurzbahn-Spezialist Steffen Deibler war bislang auf dieser Distanz schneller unterwegs. Und an dessen Thron beginnt Wolf zu kratzen. "Philipp ist aktuell eine halbe Sekunde besser als Deibler. Er kann in Deutschland über 100 Meter Freistil derzeit jeden schlagen."

Der Glaube an die eigene Stärke versetzt bisweilen Berge. Philipp Wolf würde es bereits genügen, wenn er den schweren Anstieg zu den Olympischen Spielen 2016 erfolgreich bewältigen könnte. "Rio de Janeiro ist mein großes Ziel", hatte der 23-Jährige stets betont. Ein Traum, der in Erfüllung gehen könnte. "Philipp hat in den letzten Monaten unheimlich von einem konsequenten Krafttraining profitiert", weiß Dehling. "Er muss seinen Weg konsequent weitergehen. Die Qlympia-Qualifikation ist für ihn machbar, da bin ich mal frech."

Normzeit in Berlin

Eine Vorentscheidung wird Anfang Mai bei der deutschen Meisterschaft in Berlin fallen. Dort muss auf dem Weg nach Rio nicht nur eine Normzeit erfüllt werden, sondern auch Platz eins oder zwei herausspringen. Dieses Ergebnis ist noch einmal bei einem weiteren Wettkampf zu bestätigen. Der Wechsel von der Kurz- auf die Langbahn wird nach Meinung von Dehling sogar leistungsfördernd sein. "Philipp ist zwar sehr athletisch, aber doch ein relativ leichter Typ. Die lange Bahn kommt ihm entgegen." Dehlings Vertrauen in das Potenzial seines Zöglings ist groß: "Auf der Langbahn kann er an die 48 Sekunden heranschwimmen." Zum Vergleich: 2012 in London qualifizierte man sich mit 48,38 Sekunden für das olympische Finale. Regionen, die für Wolf nicht weit weg sind.
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