Triathlon
Rollentausch vor Hawaii

Beim Ironman auf Hawaii deutet alles auf ein Duell zwischen den beiden deutschen Triathleten Sebastian Kienle (links) und Jan Frodeno hin. Kienle gewann 2014, Frodeno geht als Titelverteidiger an den Start. Bild: dpa

Im vergangenen Jahr war Sebastian Kienle der gefragteste Triathlet vor dem Ironman auf Hawaii. Als Titelverteidiger stand er im Fokus. Diesmal ist er der Herausforderer für seinen Kumpel und Vorjahressieger Jan Frodeno. Er fühlt sich für das Duell gewappnet.

Kailua-Kona. Am liebsten möchte Sebastian Kienle kurz vor dem Ironman auf Hawaii so selten wie möglich sein Appartement in Kailua Kona verlassen. Bloß nicht zuviel Energie verschwenden vor dem Tag der Tage des Triathlon-Jahres und besonders vor dem von allen erwarteten Duell mit WM-Titelverteidiger Jan Frodeno. Alles ist ausgerichtet auf den Samstag, wenn er sich um 6.25 Uhr (Ortszeit) in Kona mit 49 anderen Profis in die Wellen des Pazifiks stürzt.

"Allein wenn du vor die Tür gehst, kostet das schon Kraft", sagt der 32-Jährige, der seit fünf Wochen mit seinem Trainer Lubos Bilek, seinem Physiotherapeuten und seit einer Woche mit seiner Frau Christine eine temporäre Wohngemeinschaft bildet. Training, öffentliche Termine, Entspannung, soweit es geht - so lautet der Zeitplan in den Tagen vor dem Start zu der Tortur mit 3,86 Kilometern Schwimmen, 180 Kilometern auf dem Rad und dem abschließenden Marathonlauf.

Vor einem Jahr war er als Titelverteidiger nach Hawaii gereist - und begehrt. "Es ist schon deutlich weniger als 2015, was Verpflichtungen gegenüber Sponsoren und Medien angeht", sagte Kienle. "Das ist vielleicht der Segen, dass es im letzten Jahr nicht ganz so funktioniert hat."

Schon damals war das Duell zwischen ihm und Frodeno erwartet worden. Doch der Zweikampf fiel aus. Kienle wurde am Ende Achter, Frodeno gewann überlegen als erster Olympiasieger auf Hawaii und schrieb damit Geschichte. Auch in diesem Jahr dreht sich alles um die beiden Kumpels und Konkurrenten. Nur sind die Rollen diesmal vertauscht. Kienle ist der Herausforderer, Frodeno der Titelverteidiger.

"Das Rennen wird sicher von den deutschen Medien und der deutschen Triathlon-Community darauf zugespitzt", sagt Kienle, kann das aber durchaus nachvollziehen. Man müsse nur auf die Fakten schauen. "2014 habe ich gewonnen, 2015 hat Jan gewonnen. Jan hat in diesem Jahr die Weltbestzeit aufgestellt, ich bin Europameister in Frankfurt geworden. Wir sind auf den Plätzen eins und zwei im Kona-Pro-Ranking", zählt er auf. Es gebe schon Argumente, dass sie derzeit die mitbestimmenden Athleten seien.

Ausdauer-Qual im Paradies


Die Spannung vor der Ausdauer-Qual im Paradies ist diesmal vielleicht sogar noch höher, weil sich die Duellanten seit dem Rennen auf Hawaii 2015 im Wettkampf nicht mehr begegnet sind. Dennoch ist für Kienle klar, wer der Sieganwärter Nummer eins ist: "Jan hat keine Schwäche mehr. Für mich ist er der klare Favorit." Trotzdem gibt sich der Mann aus Mühlacker zuversichtlich. "In diesem Jahr bin ich erkältungsfrei und verletzungsfrei durch die erste Saisonhälfte gekommen. Und das eröffnet mehr Möglichkeiten", sagt Kienle, der in den letzten Jahren immer wieder Probleme mit der Achillessehne hatte.

Vor allem läuferisch hat er noch einmal zugelegt. Sein zweiter EM-Titel beim Ironman in Frankfurt Anfang Juli bestätigte das. Und auch die Generalprobe Anfang September bei der 70.3-WM in Australien fiel letztlich positiv aus. Auch wenn er den sicher geglaubten Sieg auf den letzten Laufkilometern noch verlor und um zwei Sekunden vom Australier Tim Reed geschlagen wurde. "Worüber ich nicht enttäuscht war, das war meine Form, mein Training und meine Vorbereitung, wie sie bis dahin gelaufen ist", sagt er.
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