Triumph-Flug zum WM-Gold

Bronzemedaillengewinner Johannes Rydzek (rechts) und Weltmeister Bernhard Gruber hatten nach dem Zieleinlauf mächtig Spaß. Bild: dpa

Severin Freund liefert auf der Großschanze eine beeindruckende Gold-Show ab und beendet eine 14 Jahre andauernde Durststrecke der deutschen Skispringer. Auch Johannes Rydzek bejubelt mit Bronze in der Nordischen Kombination seine dritte WM-Medaille in Falun.

Schanzen-König Severin Freund flog zum ersten WM-Gold für die deutschen Skispringer seit 14 Jahren, Johannes Rydzek stürmte in der Nordischen Kombination zu Bronze. Mit dem fünften Titelgewinn in Falun haben die DSV-Asse den 41 Jahre alten WM-Rekord schon vor dem Final-Wochenende eingestellt und dem Deutschen Skiverband das beste Abschneiden seit der Wiedervereinigung beschert. 1974 hatte die DDR an gleicher Stätte fünfmal Gold gewonnen.

Überragende Vorstellung

Freund krönte sich am Donnerstag mit einer überragenden Flugshow zum sechsten deutschen Einzel-Weltmeister der WM-Geschichte und bescherte den DSV-Adlern den ersten Titel auf der Großschanze seit Martin Schmitt vor 14 Jahren. "Das war ein wahnsinnig geiler Wettkampf, in dem alles aufgegangen ist. Das braucht sicher Zeit, bis dieser Erfolg nachwirkt", sagte der "König der Lüfte".

Bei seinem Triumphzug distanzierte der Mixed-Weltmeister mit Sprüngen auf 134 und 135,5 Meter den Österreicher Gregor Schlierenzauer um sagenhafte 22,3 Punkte. Bronze ging an Rune Velta aus Norwegen, der Freund auf der Normalschanze um 0,4 Punkte Gold weggeschnappt hatte.

Nach seinem glanzvollen Sieg verneigte sich Freund vor dem Publikum und genoss dann bei der Siegerehrung mit geschlossenen Augen die deutsche Hymne. Auch Bundestrainer Werner Schuster war gerührt und wischte sich eine Glücksträne aus dem Auge. "Das ist ein bewegender Moment. Ich gratuliere ihm von Herzen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich mal einen Weltmeister feiern darf. Das ist das Ergebnis jahrelanger Arbeit. Danke an das ganze Team", sagte Schuster.

Bei Freunds Gala-Vorstellung applaudierte sogar Schwedens Monarch Carl XVI. Gustaf. 135,5 Meter im Finale bedeuteten Schanzenrekord. Damit blieb der Bayer um einen halben Meter über seiner im Vorjahr beim Weltcupsieg an gleicher Stätte aufgestellten Bestmarke. "Er ist geflogen wie ein Flugzeug", stellte Schuster fest. "Ich bin zweimal geflogen wie ein Flugzeug", konterte Freund. "Dieser Titel ist ein großer Schritt in meiner Karriere."

Zuvor hatte Kombinierer Johannes Rydzek seine Medaillenbilanz nach zweimal Gold mit Bronze im Einzel auf der Großschanze ausgebaut. Danach stürmte der "Superman" zu seinen Eltern und fiel ihnen glückselig in die Arme. "Mit ihnen diese Emotionen zu teilen, ist wahnsinnig schön. Es ist alles wie im Traum, was hier abläuft", sagte der Oberstdorfer. Anschließend feierte er überschwänglich mit den beiden überraschend vor ihm Platzierten. Bernhard Gruber holte den ersten WM-Titel nach Österreich, Francois Braud Silber für Frankreich.

Erbittertes Finish

"Wir haben auf der Schanze einiges liegenlassen. Deshalb hieß es in der Loipe nur noch: Zocken, Zocken, Zocken", resümierte Bundestrainer Hermann Weinbuch mit heiserer Stimme. Im Kampf um Bronze lieferte sich Rydzek mit dem Norweger Magnus Moan ein erbittertes Finish. "Ich musste wirklich bis zur Ziellinie kämpfen Ich habe alles rausgeballert, was ich hatte", sagte Rydzek. Der 23-Jährige war zuvor schon Weltmeister von der Normalschanze und im Team geworden.

Frenzel auf Platz neun

Dagegen erfüllten sich die Medaillenträume von Eric Frenzel nicht. Der Flossenbürger ging als Sechster in die Loipe und konnte dort nicht das Tempo gehen, um in den Kampf um die Medaillen noch einzugreifen. Am Ende belegte der Titelverteidiger zusammen mit Teamkollegen Timo Edelmann Platz neun.

In der Loipe krönte sich Marit Bjørgen als Schlussläuferin der goldenen Norwegen-Staffel zur Rekordweltmeisterin. Mit dem 14. Titel schloss sie zur Russin Jelena Välbe auf. den deutschen Damen blieb nur der sechste Platz.
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