Turnen
Reck als Geschenk

Nach dem Interview-Marathon war Fabian Hambüchen noch mehr geschafft als nach der besten Reck-Übung seiner Karriere. Im Deutschen Haus ließ er es krachen - und bekommt nun das Reck von Rio geschenkt. Sein Vater verriet, dass IOC-Chef Thomas Bach Anteil am Olympiasieg hatte.

Rio de Janeiro. Nach der rauschenden Party bis vier Uhr im Deutschen Haus, konnte Fabian Hambüchen bei der Pressekonferenz fünf Stunden später nur noch krächzen. Noch einmal schilderte der Turn-Held von Rio mit heiserer Stimme das Chaos seiner Gefühle und die damit verbundene "Blitzidee" vom Erwerb des Recks, an dem er zum Olympiasieger wurde. "Einfach genial, dass es mir jetzt vor die Haustür geliefert wird", meinte Hambüchen am Morgen nach dem Erfolg mit angeschlagener Stimme.

Der Manager des Geräte-Herstellers, Jürgen Garziella, hatte zuvor bestätigt, dass er dem Top-Turner das Gerät als besonderes Souvenir kostenlos überlassen werde. "Wir werden Fabian selbstverständlich das Olympia-Reck schenken und nach Hause liefern", erklärte Garziella am Mittwoch. Der Transport wird von einer Fluglinie übernommen.

Hambüchen hatte zu später Stunde bei der Party im Deutschen Haus noch mal seine Bestrebung unterstrichen. "Ich bin nach der Mixed-Zone mit meinem kanadischen Kumpel noch mal in die Halle gegangen, um das Reck zu fotografieren. Da kam mit der Gedanke: Ich wäre ja blöd, wenn ich das Ding hier stehen lasse." Seinen Platz wird das Königsgerät in der Trainingshalle in Wetzlar finden und dem Nachwuchs als Motivation dienen. "Auf den Pfosten sind die olympischen Ringe, und ich werde mein Autogramm drauf setzen, dann ist das ein Unikat", sagte Hambüchen.

Medaille in den Safe


Die Medaille will Hambüchen indes sicher verwahren. "Nichts wäre schlimmer, als wenn sie geklaut würde. Deshalb wird sie bestimmt zu den anderen beiden aus Peking und London in einen Safe kommen und nur zu besonderen Anlässen rausgeholt", kündigte er am Abend an.

Mit einem Spalier und rauschendem Applaus hatten Fans und Kameraden den Reck-Helden schon am Eingang des "Casa Alemao" empfangen. Hambüchen tänzelte entspannt durch die Reihen und umarmte jedermann. Seine scherzhafte Ankündigung, das Deutsche Haus "in einen Haufen Schutt" zu zerlegen, machte er natürlich nicht wahr. "Da sind die Emotionen mit mir durchgegangen. Meine Gefühle sind im totalen Chaos. Es war doch klar, dass wir uns hier nicht ins Jenseits abschießen. Das ist doch keine exzessive Saufparty", meinte er beim ersten Gläschen Wein vor dem Pool des idyllisch gelegenen Clubs.

Mit einer perfekten Leistung hatte er zuvor die Konkurrenz überrascht und das erste Gold für die deutschen Turner seit 20 Jahren erkämpft. "Es ist einfach nicht in Worte zu fassen, was hier abgeht. Mein Handy habe ich im olympischen Dorf liegen lassen, es ist bestimmt inzwischen explodiert", meinte er. Am morgen schaute er mal drauf: 246 Glückwünsche via Facebook, Dutzende E-Mails und SMS. "Wahnsinn", kommentierte er.

Und er vergaß in keinem Interview, auf die innige, wenn auch oft kontroverse Beziehung, zu seinem Vater hinzuweisen. "Das war die geilste Zeit in unserem gemeinsamen Leben. Jetzt können wir beruhigt aufhören", meinte er. Wolfgang Hambüchen hielt sich bei der großen Party seines Sprösslings dezent im Hintergrund. Doch gab er zu, dass auch er im Februar daran gezweifelt hat, ob sein Sohn angesichts der massiven Schulterschmerzen Olympia überhaupt erleben werde.

Er verriet, dass auch IOC-Präsident Thomas Bach einen Anteil an der Krönung der Karriere seines Sohnes hat. "Er hat Fabian direkt angerufen und eine Vermittlung zum früheren Bayern-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt angeboten. Das war im März, als er vor Schmerzen nicht mal die Kühlschranktür öffnen konnte", berichtete der Vater.
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