Uefa-Wahl
Ceferin der neue Boss

Bei diesem klaren Ergebnis hätten andere jubiliert. Der neue Uefa-Boss Aleksander Ceferin gibt sich nach seinem krassen Karrieresprung aber sachlich unterkühlt. Der Slowene wirkt wie ein Technokrat und muss nach der Ära Platini Europas Fußball vereinen.

Athen. Wie ein strahlender Sieger sah Aleksander Ceferin nicht aus. Kein Lächeln huschte über seine Lippen. Hinter dem großen Podium verschwand der neue Uefa-Präsident förmlich in seinem Ledersessel. 42:13-Stimmen gegen Funktionärs-Oldie Michael van Praag waren ein Erdrutschsieg für den neuen starken Mann der Europäischen Fußball-Union und Nachfolger des gestürzten Michel Platini. Aber Ceferin referierte bei der Pressekonferenz am Mittwoch in Athen pragmatisch, technokratisch, geradezu monoton über Ziele und Ideen.

"Die Uefa ist eine gute und starke Organisation. Wir hatten keine Führung, das war das Problem. Wir sollten zeigen, dass wir diejenigen sind, die die Uefa führen", sagte der Slowene nach dem bisherigen Höhepunkt seiner Blitzkarriere vom Nobody zum Präsidenten.

Mehr Transparenz, Kontrollinstanzen und Amtszeitbeschränkungen will Ceferin einführen, irgendwann und in noch zu definierender Form. Das versprach er. Emotional wurde der 48-Jährige nur, als er sich wieder mit den Fragen nach seiner Unabhängigkeit konfrontiert sah. Seine Kandidatur war begleitet von Berichten über angebliche Einflussnahme von Fifa-Boss Gianni Infantino bis zu Russlands Sportherrscher Witali Mutko. "Da haben sich die Medien und Andere einiges einfallen lassen und erfunden", monierte Ceferin. "Alles Lüge!", schob er hinterher.

"Wir sind die Wächter des schönen Spiels. Diese Verantwortung ist mein Kompass, und ich möchte die Balance zwischen allen Akteuren bewahren", sagte Ceferin in seiner sehr sachlichen Wahlrede. In seiner ersten Amtszeit muss er nun die Uefa angesichts der Skandalwirren um den über eine Millionenprovision gestolperten Vorgänger Platini nach innen wie außen stabilisieren. Die vielleicht größte Aufgabe ist der Spagat zwischen den großen und kleinen Verbänden. Die Unzufriedenheit vieler kleiner Fußball-Nationen - wie seiner slowenischen, die sich im Verteilungskampf um die Champions-League-Milliarden benachteiligt fühlen, ist massiv.

Vor der Wahl beschäftigte sich die Uefa mit ihrer Vergangenheit. Noch einmal durfte Platini reden, zeigte sich dabei weiter keiner Schuld bewusst und wurde von den Delegierten mit freundlichem Applaus verabschiedet. "Sie müssen nur wissen, dass ich ein ruhiges Gewissen habe und ich überzeugt bin, keinen einzigen Fehler gemacht zu haben", sagte der Franzose bei seiner Ansprache.

Wir sind die Wächter des schönen Spiels.Der neue Uefa-Präsident Aleksander Ceferin
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