Verteilung der Fernsehgelder: DFL-Spitze rüffelt aufmüpfigen Zweitligisten - Auch Rummenigge ...
FC St. Pauli plötzlich ganz kleinlaut

Für Andreas Rettig, Geschäftsführer des FC St. Pauli, bedeutete die DFL-Mitgliederversammlung fast schon ein Spießrutenlaufen. Die Idee eines neuen Verteilerschlüssels bei den TV-Geldern kommt bei den meisten anderen Profivereinen nicht gut an. Bild: dpa
Ein deutlicher Rüffel des Ligaverbands, ein kleinlauter FC St. Pauli und vor allem: kein Ergebnis. Das ist alles, was am Mittwoch von einer tagelangen hitzigen Diskussion über die künftige Verteilung der Fernsehgelder im deutschen Profifußball übrig blieb. Ob die TV-Einnahmen auch in der Zukunft zentral vermarktet werden oder ob die Solidarität unter den Vereinen der 1. und 2. Bundesliga ernsthaft in Gefahr ist - darüber soll erst dann weiter diskutiert werden, wenn der neue Fernsehvertrag im kommenden Jahr tatsächlich abgeschlossen ist.

Disziplin gefordert

Bis dahin mögen sich die Vertreter der Clubs doch bitte "diszipliniert äußern", mahnte Ligapräsident Reinhard Rauball nach einer mehr als dreistündigen Versammlung der 36 Proficlubs in Frankfurt am Main. "Es ist unerlässlich, dass bei diesem Thema Ruhe einkehrt." Auch Christian Seifert, Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL), watschte Protagonisten wie Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge oder St. Paulis Geschäftsführer Andreas Rettig ungewohnt deutlich ab. "Unsere Partner erwarten Verlässlichkeit und Sicherheit - und dass die Liga ein einheitliches Bild abgibt", sagte er. "Fernsehverträge werden nicht durch Interviews entschieden, sondern durch Ausschreibungen."

Rummenigge selbst war am Mittwoch nicht einmal zugegen. Der deutsche Meister und Branchenführer aus München hatte seinen Finanzvorstand Jan-Christian Dreesen ins Frankfurter Marriott Hotel geschickt. Stärker als jeder andere Club hatten die Bayern zuletzt die Solidargemeinschaft der Vereine in Frage gestellt. Wenn in Zukunft mindestens eine Milliarde Euro pro Jahr für die Liga herausspringe und der FC Bayern dadurch wirtschaftlich weiter mithalten könne mit der internationalen Konkurrenz aus England und Spanien, dann wäre man auch bereit, die Fernsehrechte weiter zentral von der DFL vermarkten zu lassen. Falls nicht, müsse man das irgendwann in Eigenregie übernehmen - so lautete die im Raum stehende Drohung.

Ligavorstand entscheidet

Rauball und Seifert entgegneten dem am Mittwoch, dass die DFL erst den neuen, ab 2017 gültigen Fernsehvertrag abschließen und danach die Diskussion über die Verteilung beginnen wolle. Das Konzept für diesen Vertrag liegt derzeit zur Prüfung beim Bundeskartellamt. Anfang 2016 soll dann die Ausschreibung, noch vor der EM im Frühsommer der Abschluss erfolgen. In dieser Saison werden insgesamt rund 850 Millionen Euro an die Vereine ausgeschüttet. Vom neuen Vertrag erhofft sich die DFL noch einmal eine deutliche Steigerung. Rauball betonte nach der Versammlung: "Nur der Ligavorstand entscheidet über den Verteilerschlüssel." Nicht die Mitgliederversammlung der 36 Clubs.
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