Von Titelreife nichts zu sehen

Selbst U21-Bundestrainer Horst Hrubesch konnte die 0:5-Halbfinalpleite nicht fassen. Die Portugiesen waren in Sachen Effizienz und Technik dem deutschen Nachwuchs klar überlegen. Bild: dpa

Der Schmerz über das 0:5 im EM-Halbfinale wirkt für die deutsche U21 nach. Prompt wird über die Titelreife der DFB-Junioren debattiert. Auch Bundestrainer Löw sieht Mängel beim Nachwuchs.

Nach dem historischen EM-Debakel gegen Portugal konnte auch Erfolgstrainer Horst Hrubesch die Debatte um die nächste deutsche Fußballer-Generation nicht aufhalten. Ein Kopfproblem bei der 0:5-Halbfinalpleite, mangelnde Hierarchien im Team - Hrubesch verabschiedete sich und seine zuvor hochgelobte U21 mit reichlich Selbstkritik in den Urlaub. "Jeder muss sich nach dieser Enttäuschung überprüfen - deprimierend", meinte auch DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, der die höchste Pflichtspiel-Niederlage einer deutschen U21 als Augenzeuge im Stadion von Olmütz miterlebt hatte.

Bernardo Silva (25. Minute), Ricardo (33.), Ivan Cavaleiro (45.+1), João Mário (46.) und Ricardo Horta (71.) blamierten das DFB-Team vor 9876 Zuschauern. Der zur Pause eingewechselte Leonardo Bittencourt sah dann auch noch die Gelb-Rote Karte (75.).

Reine Kopfsache

Ein Jahr nach dem WM-Triumph von Rio bewies die Demütigung gegen die in Technik und Effizienz überlegenen Portugiesen, dass es den Nachfolgern von Joachim Löws Weltmeistern noch an der Titelreife fehlt. "Normalerweise hat das mit dem Fußballspielen nichts zu tun, es hat nur was mit dem Kopf zu tun", sagte Hrubesch beim Kehraus im Teamhotel. Von einer Stunde Null wollte Hrubesch dennoch nichts wissen. "Wir fangen nicht bei null an", stellte der 64-Jährige klar.

Die sanfte Kritik von Bundestrainer Löw an mangelnden Alternativen aus dem Nachwuchs für die Problempositionen der A-Mannschaft aber hatte auch Hrubesch vernommen. Bei Außenverteidigern und Stürmern sehe er "derzeit keinen Spieler, der so gut ist, dass ich ihn sofort zu uns holen müsste", sagte Löw der "Welt am Sonntag" und zeigte sich mit der Entwicklung im Nachwuchs "nicht gänzlich" zufrieden.

Der Druck auf die mit reichlich Talenten gespickte U21 war angesichts der Olympia-Qualifikation bei dieser Endrunde groß, auch ob der massiven Medienpräsenz. Standards setzte der Kader mit einem Triple-Sieger Marc André ter Stegen, den DFB-Pokal-Siegern Maximilian Arnold und Robin Knoche oder Weltmeister Matthias Ginter selbst - und mit dem Einzug ins Halbfinale und der ersten Olympia-Qualifikation einer deutschen Mannschaft seit 1988 wurde ein Kernziel erreicht.

Doch beim nächsten Schritt holte sich die Generation 2015 eine blutige Nase. Den Maßstab der EM-Sieger von 2009 mit den späteren Weltmeistern Manuel Neuer, Mesut Özil, Jerome Boateng, Sami Khedira, Benedikt Höwedes und Mats Hummels konnte das aktuelle Team nicht halten. Die Spieler zeigten sich durchaus einsichtig.

"Vielleicht habe ich vor dem Spiel gedacht, ich bin der Größte", sagte Emre Can vom FC Liverpool. Kevin Volland war zwar erzürnt über eine "Arbeitsverweigerung von der 1. bis zur 90. Minute", Unprofessionalität wies er zurück. "Ich weiß von jedem, dass er sich hundertprozentig auf die Partie vorbereitet hat."
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