Vor zehn Jahren erschütterte der Skandal um Robert Hoyzer den deutschen Fußball
"Keinen Cent" mehr gewettet

2005 hat Schiedsrichter Robert Hoyzer den Wettskandal ausgelöst. Archivbild: dpa
Zehn Jahre nach dem Skandal um Robert Hoyzer ist vom berühmt-berüchtigten Café King nicht mehr viel zu sehen. Ein Baugerüst und Planen verdecken das einstige Hauptquartier der Zocker um Hoyzer und die Sapina-Brüder. An der verschlossenen, gläsernen Tür steht allerdings noch der Café-Name und weckt Erinnerungen an den schockierenden Wett- und Manipulationsskandal im deutschen Fußball. Hier, wenige Gehminuten vom Berliner Kurfürstendamm entfernt, nahm die Affäre ihren Lauf.

Das düstere Kapitel erschütterte das Land ausgerechnet vor der Heim-WM 2006. Heute würde Hoyzer damit gern abschließen. "Es ist passiert, und ich habe meine Lektion bekommen - Ende", sagte der frühere Schiedsrichter. Das Café King habe er zuletzt am 22. Januar vor zehn Jahren besucht. An jenem Samstag leitete der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ein Ermittlungsverfahren gegen ihn ein. Der damals 25-Jährige, der eine große Schiedsrichter-Karriere in Aussicht hatte, trat zurück.

Erst bestritt er die Manipulationen, wenige Tage später gestand er sie ein. Zur Verurteilung der Drahtzieher beizutragen, sei der "absolut richtige Weg" gewesen, befand Hoyzer nun im Rückblick. Hätte er geschwiegen, wäre er seiner Ansicht nach womöglich komplett daran zerbrochen.

Für seine absichtlich falschen Pfiffe kassierte der Berliner nach eigenen Angaben 67 000 Euro - und einen Plasmafernseher, der inzwischen im Müll gelandet sei. In Erinnerung blieb vor allem das 4:2 im DFB-Pokal zwischen dem SC Paderborn und dem Hamburger SV im August 2004. Mit zwei unberechtigten Elfmetern und einer Roten Karte hatte Hoyzer dem Außenseiter zum Sieg verholfen - und den Wettern zu fetten Gewinnen.

Die Frage nach seinen Motiven stelle er sich nicht mehr, erklärte der 35-Jährige heute. "Getrieben von Oberflächlichkeit, persönlicher Unreife, dem Streben nach Ansehen, Schönheit, Geld, Lifestyle, Autos fliegt dir dein eigenes Leben irgendwann um die Ohren."

Strafe abstottern

Das Berliner Landgericht verurteilte Hoyzer zu zwei Jahren und fünf Monaten Haft. Im Sommer 2008 wurde er nach 14 Monaten vorzeitig entlassen. An den DFB muss der einstige Spielleiter den Großteil der Strafe in Höhe von 126 000 Euro noch abstottern.

Beim DFB und seinem früheren Präsidenten Theo Zwanziger hat sich Hoyzer schon vor Jahren entschuldigt und auch den Weg zurück in den Fußball gefunden. Seine lebenslange Sperre wurde nach einem Gnadengesuch im Frühjahr 2011 aufgehoben. Seitdem darf Hoyzer wieder im Amateurbereich Fußball spielen. Pfeifen darf er nicht mehr.

Ehrenamtlich arbeitet Hoyzer beim Regionalligisten Berliner AK 07 als Technischer Direktor und kümmert sich um die "gesamte Organisation innerhalb des Vereins". In Kürze werde er diese Aufgabe sogar hauptberuflich ausüben und seinen Job in einem Softwareunternehmen aufgeben. "Man sollte nun endlich die Vergangenheit ruhen lassen und gemeinsam nach vorn blicken", sagte BAK-Präsident Mehmet Ali Han, als Hoyzer vor einem halben Jahr anfing.

Der Skandal wirkt auf Fußballplätzen noch nach. Von den Tribünen schallen ab und an "Hoyzer, Hoyzer"-Schmährufe gegen die Schiedsrichter. "Ich bin manchmal selbst so angespannt und auch stinkig auf den Schiri, dass ich fast mitschreie", behauptete Hoyzer. Er spielt mittlerweile im Ü32-Seniorenteam der Spandauer Kickers und ist als Libero Stammspieler.

Amateurfußball anfällig

Den Fußball sieht Hoyzer durch dunkle Machenschaften weiterhin in großer Gefahr. Das Wettangebot müsse minimiert werden, forderte er: "Gerade die unteren Spielklassen sollten komplett aus dem Programm genommen werden." Der Wettmarkt sei "nach wie vor undurchsichtig, wahnsinnig dynamisch und nur schwer kontrollierbar". Auch Zwanziger hält gerade den Amateurfußball für "anfällig gegen Betrügereien". Hoyzer beteuerte, seit dem Skandal nicht mehr gewettet zu haben. "Ich kann die Frage echt nicht mehr hören! Nein! Keinen einzigen Cent. Punkt!", betonte der einstige Auslöser des Betrugs vor zehn Jahren.
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