Vorfreude auf blaue Flecken

Die deutsche Mannschaft ließ sich nach dem Sieg gegen Saudi-Arabien von den Fans feiern. Jetzt wartet am Montag Ägypten im Achtelfinale. Bild: dpa

Mit einer Mischung aus Vorfreude auf das erste K.-o.-Spiel und Respekt vor der robusten Gangart des Gegners gehen die deutschen Handballer bei der WM in Katar ins Achtelfinale gegen Ägypten. Gegen Saudi-Arabien bewies auch die zweiten Garde Turnierreife.

Kapitän Uwe Gensheimer erwartet Aktionen am Rande des Erlaubten, Spielmacher Michael Kraus prognostiziert Blessuren: Vor dem Achtelfinale bei der Handball-WM in Katar haben sich die deutsche Spieler auf einen Kampf an der Schmerzgrenze eingestellt. Mit Ägypten trifft das Team von Bundestrainer Dagur Sigurdsson am Montag (16.30 Uhr MEZ/Sky) in ihrem ersten Alles-oder-Nichts-Spiel auf den Letzten der Fairplay-Liste.

Schaum vor dem Mund

"Wir dürfen keine Angst haben. Die sind körperlich präsent und haben Schaum vor dem Mund. Es wird wehtun, es wird knallen. Das wird sicher ein paar blaue Flecken geben", meinte Kraus am Sonntag und fügte gewohnt selbstbewusst hinzu: "Aber das ist das Achtelfinale, das wollten wir haben und nun wollen wir es auch gewinnen."

Auch Team-Junior Paul Drux hat bei seinem WM-Debüt genug Selbstvertrauen nach dem unerwarteten Gruppensieg ohne Niederlage getankt, um dem Dritten der Afrikameisterschaft die Stirn zu bieten. "Wir dürfen uns nicht verprügeln lassen. Man muss zurückhauen und die gleiche Härte an den Tag legen", sagte der 19-Jährige. Und Gensheimer meinte: "Die gehen an die Grenze des Erlaubten, was die Abwehr angeht."

"Aggressiv" und "offensiv" sind im deutschen Team die meist gebrauchten Worte bei der Beschreibung des nächsten Gegners. "Die sind sehr, sehr aggressiv und spielen eine offensive Abwehr. Und wenn die die zweite Welle laufen oder im Angriff spielen, kommen die mit viel Wucht und Emotionen auf die Abwehr. Dann wird das manchmal ein bisschen spektakulär", analysierte Bundestrainer Sigurdsson.

Wurfgewaltiger Rückraum

Doch der Vierte der Vorrundengruppe C kann mehr. "Die können schon Handball spielen", anerkannte Drux nach dem ersten Videostudium. Sein Berliner Clubkollege Silvio Heinevetter attestierte den Nordafrikanern ebenfalls handballerische Qualitäten. "Die haben einen wurfgewaltigen Rückraum", sagte der Torhüter und holte aus seiner Hosentasche einen USB-Stick, auf dem fürs Videostudium Clips von den Wurfbildern zusammengestellt waren.

Wie die anderen Spieler der Stammformation hatte auch Rückraumspieler Drux beim 36:19 (18:8)-Kantersieg gegen Saudi-Arabien am Samstag zum Vorrundenabschluss pausiert. "Ich habe wieder Kraft getankt", sagte der Youngster. Gut erholt fiebern er und seine Kollegen nun dem ersten K.o.-Spiel entgegen: "Die machen noch einen Ticken mehr Spaß."

Doch angesichts eines Unentschiedens gegen den Olympia-Zweiten Schweden sowie Siegen gegen Afrikameister Algerien und Tschechien ist die deutsche Mannschaft gewarnt. "Die spielen etwas wilder, als man es in Europa gewohnt ist. Da müssen wir kühlen Kopf bewahren und unser Ding durchziehen", meinte der Isländer in DHB-Diensten.
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