Warten auf das Christkind

"Endlich Urlaub." Selbst ein so ehrgeiziger Fußballprofi wie Wolfgang Hesl braucht mal eine Pause. Durchschnaufen, denn der Januar hat's für den Torwart von Greuther Fürth schon wieder in sich: Am 5.1. Trainingsauftakt, am 13.1. wird Hesl 29, und dann steht da auch noch ein ganz großer Moment an.

Fürth/Schwarzenfeld. Die Null steht bei der SpVgg Greuther Fürth - hinten und vorne: Dass die Defensive des Zweitligisten in den vergangenen Spielen, wie zuletzt beim Derby in Nürnberg, kaum noch Tore zuließ, lag auch an der Rückkehr von Wolfgang Hesl. Der in Schwarzenfeld (Kreis Schwandorf) lebende Torhüter war im Herbst nach einem Bruch der rechten Mittelhand einige Zeit außer Gefecht. Jetzt gibt der gebürtige Nabburger, dessen Vertrag bis Saisonende läuft, wieder die Kommandos. Allerdings treffen die Fürther vorne kaum noch. Die Mittelfranken sind mit 23 Punkten Zwölfter - die Halbzeitbilanz Hesls fällt deswegen eher durchwachsen aus.

Hallo Wolfgang, hinten hui, vorne pfui - lautet so Ihre Bilanz zur Winterpause?

Hesl: Wir haben wirklich zwei Seiten. In den letzten fünf Partien spielten wir vier Mal zu null. Alle arbeiten super nach hinten mit, das ist perfekt. Aber nach vorne haben wir nicht mal den Mut, auch mal in Eins-gegen-Eins-Situationen zu gehen. Da fehlt uns das Selbstvertrauen.

Stößt der Verein nach dem starken dritten Platz im Vorjahr auch etwas an seine Grenzen. Immerhin ist der Etat ja nicht gerade üppig ...

Hesl: Es ist natürlich schon so, dass es, wenn man im Sommer immer elf, zwölf neue Leute hat, ein bisschen dauert, bis die Automatismen greifen, bis sie verinnerlicht sind. Aber klar ist auch: Der jetzige Tabellenplatz ist für uns nicht zufriedenstellend.

Wird in Fürth vielleicht auch zu viel erwartet?

Hesl: Ich habe in der Hinrunde gelernt, dass wir kleine Schritte machen müssen. Hinten stehen wir schon mal stabil, nach vorne müssen wir aber noch mehr entwickeln.

Es mag vermessen klingen, aber geht noch was nach oben?

Hesl: Das wäre wirklich sehr vermessen zu sagen, wir wollen vorne angreifen. Wir müssen jetzt in der Vorbereitung an der Spielweise arbeiten, unsere Offensive braucht wieder mehr Selbstvertrauen.

Ende September brachen Sie sich beim Spiel in München die rechte Mittelhand. Wie ungeduldig waren sie in derzeit Ihrer Verletzung?

Hesl: Das war schon schwer. Als Feldspieler wäre ich nach zwei Wochen mit einer Schiene wieder dabei gewesen. Ich habe jetzt keine Vergleichswerte, aber ich denke, es ging trotzdem alles relativ schnell. Nach acht Wochen war ich wieder im Tor.

Ist wieder alles in Ordnung mit der Hand?

Hesl: Die Hand macht alles mit. Aber natürlich war das erste Ballfangen nach vier, fünf Wochen schon komisch.

Ihr Vertrag läuft am Saisonende aus. Sie sind Kapitän, Führungsspieler. Einer Vertragsverlängerung steht doch nichts im Weg, oder?

Hesl: Es gab und gibt schon Gespräche.

Und wie ist die Tendenz?

Hesl: Es gibt keine Tendenz.

Andersrum gefragt. Gibt es Anfragen von anderen Vereinen?

Hesl: Ich habe mir hier einen relativ guten Namen gemacht, deshalb kommt es schon vor, dass andere Vereine mal anfragen.

Aber Sie würden gerne auch bleiben?

Hesl: Ich kann mir das gut vorstellen. Das Standing, dass ich mir hier erarbeitet habe, ist schön. Zudem ist meine Heimat auch ganz nahe. Andererseits, ich werde jetzt im Januar 29. Das wäre für mich der letzte Zeitpunkt, noch mal etwas Neues auszuprobieren. Deswegen werde ich mir alles anhören.

Eine einschneidende Veränderung steht ganz sicher an: Sie werden Papa.

Hesl: Ja, Anfang Januar ist es so weit. Es wird ein Mädel.

Da ist es ja sogar möglich, dass es ein Christkindl wird.

Hesl: Es ist noch nicht akut, aber das wäre schon möglich. Ich selbst bin noch nicht kribbelig. Das kommt wohl erst, wenn meine Frau sagt: "Jetzt geht's los."
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