Weiler der neue Club-Coach?

Bis der Nachfolger von Valérien Ismaël feststeht, leiten Athletik- und Reha-Trainer Markus Zidek (links) und Torwart-Trainer Daniel Klewer (rechts) die Übungseinheiten beim 1. FC Nürnberg. Medienberichten zufolge soll sich der Club mit dem Schweizer René Weiler einig sein. Bild: dpa

Nach dem Aus von Valérien Ismaël ist der 1. FC Nürnberg bei der Suche nach einem neuen Trainer zum Transfer-Erfolg verdammt. Noch ein Coach ohne Fortune könnte den ambitionierten Franken sogar den Absturz in die 3. Liga einbrocken - und auch Manager Martin Bader den Job kosten.

Der bedrohlich taumelnde 1. FC Nürnberg steht nach einem weiteren gescheiterten Trainer-Experiment am Scheideweg: Noch einen Fehlgriff bei der verzweifelten Suche nach einem neuen Erfolgscoach à la Hans Meyer oder Dieter Hecking kann sich der in der 2. Bundesliga weit abgestürzte Traditionsclub nicht leisten. "Mit Hochdruck" will Manager Martin Bader in der Länderspielpause nach einem Nachfolger für den am Montagabend beurlaubten Valérien Ismaël suchen. In Franken geht es um alles: Dem völlig verunsicherten Team droht der Absturz in die Drittklassigkeit.

Wer den mit acht Niederlagen aus 14 Pflichtspielen katastrophal in die Saison gestarteten Club aus der Krise retten soll, ist offen. Der selbst schwer angeschlagene Sport-Vorstand Bader behauptete nach einer stundenlangen Aufsichtsratssitzung: "Wir haben mit keinerlei Trainern gesprochen, uns keinerlei Gedanken gemacht, wer die Nachfolge antreten soll." Sollte dies stimmen, spräche es nicht unbedingt für ein gutes Krisenmanagement beim FCN.

Viel wahrscheinlicher ist freilich, dass am Valznerweiher schon längst über mögliche neue Coaches beraten wurde - das schwache 1:2 des neunmaligen deutschen Meister am Freitag in Sandhausen also nur noch letzte Klarheit über die Trennung von Ismaël brachte. "Wir sind weit davon entfernt, das vor der Saison gesetzte Ziel des Aufstiegs zu erreichen", erinnerte der Aufsichtsratsvorsitzende Thomas Grethlein.

Zwei Zähler trennen die Nürnberger nur noch von den Abstiegsrängen, eine Trendwende wurde dem erst im Sommer verpflichteten Ismaël bei dessen erster Trainerstation im Profifußball nicht mehr zugetraut. Nun werden wieder etliche Namen gehandelt. Medienberichten zufolge soll der Schweizer René Weiler die Nachfolge antreten und bereits heute als neuer Club-Coach vorgestellt werden. Der 41-Jährige trainierte bis Juni den Schweizer Erstligisten FC Aarau, ist seitdem ohne Verein und soll schon im Sommer Kandidat beim FCN gewesen sein.

"Es gibt weder ein Anforderungsprofil noch Namen, die wir in der Öffentlichkeit kommentieren möchten", sagte Bader. Er gab dabei an, die Trennung von Ismaël "sacken lassen" zu wollen. Die Übungseinheit am Dienstag leiteten Fitness- und Reha-Trainer Markus Zidek sowie Torwart-Trainer Daniel Klewer.

Von Ismaël selbst sorgten Aussagen am Dienstag für etwas Wirbel. Sport1 zitierte den ehemaligen Bundesliga-Profi von Bremen, Bayern und Hannover mit: "Ein bisschen hat es sich abgezeichnet, aber ich bin dennoch traurig, die Arbeit bei diesem Verein hat mir großen Spaß gemacht." Der FCN teilte dagegen mit, Ismael habe versichert, die Aussagen nicht getätigt zu haben.

Dabei geht es bei der aktuellen Misere nicht nur um den Trainer, wie Chefaufseher Grethlein unmissverständlich klarmachte. Ein erneuter offizieller Antrag, Bader und dessen Vorstandskollegen Ralf Woy wegen Erfolglosigkeit abzuberufen, scheiterte zwar wie schon bei der Mitgliederversammlung vor wenigen Wochen. Eine Warnung sprach Grethlein aber auch in Richtung Manager aus.

Bader unter Druck

In den letzten rund eineinhalb Jahren habe Grethlein "eine unbefriedigende Entwicklung im Verein konstatiert. So ist ein weiteres Ergebnis der Aussprache auch der Beschluss, die vereinsinternen Strukturen kritisch zu überprüfen." Sollte Bader mit dem nächsten Coach ebenso wenig Erfolg haben wie zuletzt mit Gertjan Verbeek oder Ismaël, dürfte er bei dieser Überprüfung durchfallen.
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