Weltklasse-Handballtorhüter Carsten Lichtlein 1995 beim Lehrgang in Weiden - Ernst Werner ...
"Schon als 14-Jähriger unglaubliche Reflexe"

Der aktuelle Nationaltorhüter Carsten Lichtlein (hintere Reihe Vierter von rechts) war schon 1995 beim Trainingslager der Landesverbände Bayern, Sachsen und Südbaden in Weiden eine Größe. Archivfoto: hfz
Weiden/Würzburg. (lst) "Zassi", "Lütti" oder schlichtweg "die Katze" - das sind die Spitznamen von Carsten Lichtlein, Torhüter der deutschen Handball-Nationalmannschaft, die derzeit bei der Weltmeisterschaft in Katar für Furore sorgt und am Montag im Achtelfinale Ägypten mit 26:17 abfertigte. "Schon vor knapp 20 Jahren wurde er so gerufen", erinnert sich Ernst Werner, ehemaliger Trainer und Vorsitzender beim Handballclub (HC) Weiden, und jetziger Vizepräsident für das Ressort "Bildung" des Bayerischen Handballverbandes (BHV).

"Er hatte bereits als 14-Jähriger ungemeine Reflexe", blickt Werner auf die Anfänge Lichtleins zurück. Woher der BHV-Vize das weiß? Ganz einfach: Er hatte das vom 30. Juli bis 4. August 1995 in Weiden über die Bühne gegangene Trainingslager der Landesverbände Bayern, Sachsen und Südbaden organisiert. Und in der damaligen Bayernauswahl stand neben den drei ehemaligen HC-Spielern Andreas Meßner, Stefan Reger und Michael Werner eben auch Carsten Lichtlein, dessen Heimatverein die TG Heidingsfeld war.

Die Elite-Kader aus den drei Bundesländern brachten 1995 jeweils 14 Spieler mit in die Oberpfalz. Für die Youngsters der Verbände, wobei die bayerische Auswahl mit Lichtlein von Trainer Christoph Kolodziej, Jugendwart Hans Roppelt und den Coaches Rainer Duell und Ernst Werner betreut worden war, wurde damals ein umfangreiches Programm organisiert. "Sinn des Trainingslagers war die Vorbereitung der Jugendlichen auf die Sichtung des süddeutschen Handball-Verbandes im darauffolgenden Jahr", erklärt Werner. "Das war die erste Maßnahme dieser Art, wir hatten eine Vorreiterrolle übernommen", so der BHV-Vizepräsident. Die 14- bis 15-jährigen Handballtalente, die in der Bundeswehr-Kaserne in Weiden untergebracht waren, hatten bis zu diesem Trainingslager eine lange Testphase hinter sich.

Großer Rückhalt der bayerischen Auswahl war zu diesem Zeitpunkt bereits der aktuelle Nationalkeeper Carsten Lichtlein. "Carsten war ein ruhiger und introvertierter Charakter. Wie eben Handball-Torhüter meistens so sind", sagt der BFV-Vizepräsident, der dem heute 34-Jährigen schon damals eine große Karriere prognostizierte. "Er konnte das Spiel ungemein gut lesen und wusste perfekt, mit langen Pässen die Tempogegenstöße seiner Mannschaft einzuleiten - genauso wie er es heute macht", so Werner, der den sitzenden Pass Lichtleins in der WM-Partie gegen Argentinien in bester Erinnerung hat.

Durch die Förderung des BHV, in dessen Auswahl er drei Jahre stand, machte der junge Schlussmann in den weiteren Sichtungslehrgängen auf sich aufmerksam und durchlief die deutschen Jugend-Nationalmannschaften, wobei er mit den Junioren 2001 bei der Weltmeisterschaft Fünfter wurde. Inzwischen stehen 192 Länderspieleinsätze und der WM-Titel 2007 in der langen sportlichen Vita Lichtleins zu Buche.

Über seinen Heimatverein TG Heidingsfeld kam Lichtlein schließlich als junger Spieler zum TV Kirchzell und zum TV Großwallstadt, stand von 2005 bis 2013 beim TBV Lemgo zwischen den Pfosten, ehe er seit 2013 für den VfL Gummersbach im Tor steht. "Sein Torwartspiel ist geprägt von großer Ruhe. Er bleibt vor dem Torwurf lange stehen und setzt auf die enorme Spannweite seines 2,02 Meter langen Körpers", charakterisiert Werner Lichtleins Spielweise noch etwas genauer.

Spezi-Wetten

"Das tat er schon zu seiner Zeit in der Bayernauswahl. Nach dem Training wetteten die Jungs immer bei einem Siebenmeter-Wettwerfen um ein Spezi. Wenn Carsten damals sagte, dass er von zehn Siebenmetern acht halten würde, tat er dies auch. Er gewann fast immer diese Wetten", so Werner, der dem Torhüter und der deutschen Nationalmannschaft eine weiterhin erfolgreiche WM in Katar zutraut - immerhin hat Deutschland ja "die Katze" im Kasten.
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