Wenn Männer weinen...
Bayern-Aus: Peps peinlicher Hattrick

Atlético zwang die Bayern doch noch in die Knie und Thomas Müller vergoss vor Enttäuschung auch ein paar Tränen. Die Bayern flogen gegen die Madrilenen raus mit Applaus. Bild: dpa

Der Hattrick ist perfekt! Die Bayern sind zum dritten Mal kurz vorm Finale der Champions-League gescheitert. Doch Pep Guardiola war im Gegensatz zu seinen Spielern glücklich.

München. Nachzuzählen war zwischendurch schon mal erlaubt: Aber die Madrilenen waren wirklich nur zu elft auf dem Platz. Aber man hatte immer wieder das Gefühl, sie wären zwei, drei Mann mehr. Bauch, Beine, Po - alles warfen sie in die Schüsse der Bayern. Die Wand stand. "Wir mussten richtig leiden", gestand Atléticos Coach Diego Simeone nach der wundervollsten Niederlage in seiner Amtszeit.

Dieses 2:1 (1:0) im Halbfinal-Rückspiel vom Dienstabend war somit auch der bitterste Sieg in der jüngeren Geschichte des FC Bayern. Simeone sagte dann noch etwas, was dieses Spiel wohl ganz gut charakterisiert: "Ich habe in der ersten Hälfte gegen den besten Gegner in meiner Karriere gespielt. Unfassbar, wie die Bayern da aufgetreten sind." Und so war es auch unfassbar, dass die Münchener nicht ins Mailänder Finale eingezogen sind.

Das 0:1 aus dem Hinspiel aufzuholen, schien eine Frage der Zeit. Auch wenn sich die Spanier mit allen erlaubten und manchmal unerlaubten Mittel wehrten. Auch das Gegentor durch Antoine Griezmann schockte nur kurz, wie Robert Lewandowski sagte: "Ich habe bis zum Schluss an den Finaleinzug geglaubt."

"Unfassbar", dieses Wort brauchten alle, von Alaba bis Vidal. Und auch diesen Satz: "Der Fußball ist so." Wie er ist, erklärte Xabi Alonso: "Es steht nicht immer die beste Mannschaft im Finale." Und Thomas Müller ergänzte: "Der Fußball ist manchmal sogar extrem gemein." Extrem gut war Atléticos Keeper Jan Oblak bei Müllers Elfmeter drauf, der Slowene hielt den Ball. Viele der 70 000 Zuschauer hielten diese Szene nach einer halben Stunde schon für eine kleine Vorentscheidung.

Der vergebene Strafstoß war aber nur eines der Bayern-Geschenke an diesem Abend: Das zweite war die Situation vor dem Gegentor: "Durch diesen Konter wurden wir bestraft", jammerte Philipp Lahm. Der Kapitän der Bayern ist ja einer, der alles ein bisschen nüchterner sieht. Emotionen zeigt er kaum. Aber dieses überflüssige Scheitern nahm ihn richtig mit. Alle sahen sich auf dem Spielfeld ungläubig an. Manuel. Neuer, der auch einen Elfmeter gehalten hatte, musste bei der Analyse schnell passen: "Mir fehlen die Worte. Wir können es nicht glauben. Es ist so bitter und frustrierend." Die Spieler lagen am Boden. Auch Männer weinen...

Der Unvollendete


Klar war: Drittes Halbfinale, drittes Aus - Pep Guardiola kann nicht mehr Champions-League. Doch der war happy, versuchte er zumindest vorzuspielen. Er sei sehr, sehr glücklich, wie seine Mannschaft gespielt habe: "Ich habe meinen Spielern gesagt: "Seid stolz darauf." Ausschlaggebend sei gewesen, dass man in Madrid kein Tor geschossen habe. Die drei Jahre München lassen Guardiola trotz der nationalen Titel wohl als Unvollendeten zurück: Für den 45-jährigen ist das kein Thema: "Ich habe das Beste getan, habe mein Leben für diesen Verein, für diese Spieler gegeben." Heroische Worte, die ein bisschen von seiner persönlichen Enttäuschung ablenken sollten. Eine große Zukunft prophezeite er den Bayern. Dann ohne ihn. "Ich wünsche Carlo (Ancelotti), dass er es nächstes Jahr schafft." Das war wohl vom neuen Trainer von Manchester City dann doch nicht ernst gemeint.

Ich habe mein Leben für diesen Verein, für diese Spieler gegeben.Pep Guardiola


Pressestimmen zum Bayern-AusSpanien

"Marca": "Danke Atlético! Ihr seid unglaublich!"

"Mundo Deportivo": "Die Rächer. Atleti radiert den K.o. von 1974 aus."

"AS": "Das Tor von Griezmann trägt ein seit 42 Jahren anhaltendes Trauma zu Grabe."

"El País": "Oblak hat dem Bombardement widerstanden. Atlético fliegt nach Mailand."

"La Vanguardia": "Der König des Leidens. Atlético schafft den Finaleinzug dank der großartigen Leistung von Oblak."

Italien

"La Gazzetta dello Sport": "Der Unerbittliche. Atlético Madrid Finalist in der Champions-League. Eine Schlacht in München."

"Corriere dello Sport": "Die Mauer von Atlético und ein Hieb von Griezmann haben die Ambitionen der Bayern erstickt."
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