WM-Bericht belastet Franz Beckenbauer
Schatten auf der Lichtgestalt

Geht es Franz Beckenbauer doch noch an den Kragen? Der Untersuchungsbericht über die WM-Vergabe 2006 belegt, dass er mehr als bisher bekannt in die ominösen Zahlungen verstrickt war. Bild: dpa

Der mehr als 300-seitige Freshfields-Report hat die WM-Affäre zwar nicht aufklären können, aber zumindest eines ans Licht gebracht: Franz Beckenbauer war in noch mehr dubiose Zahlungen verstrickt, als längst bekannt.

Frankfurt. Der WM-Skandal wird immer mehr zum Fall Franz Beckenbauer. Auch der mit Spannung erwartete Untersuchungsbericht der Kanzlei Freshfields kann die Frage des möglichen Stimmenkaufs vor dem Sommermärchen nicht beantworten, bringt aber die Lichtgestalt des deutschen Fußballs mit weiteren dubiosen Zahlungen in Verbindung.

Die ominösen 6,7 Millionen Euro (10 Millionen Schweizer Franken) im Zentrum des Skandals landeten demnach über die Schweiz auf einem verdächtigen Konto in Katar - und nicht beim Weltverband Fifa oder deren Finanzkommission. Das ist die Kernaussage des insgesamt 361 Seiten umfassenden Berichts, der am Freitag veröffentlicht wurde.

Vollständig aufgeklärt wurde die Affäre damit noch lange nicht. Das gilt auch für den Vorwurf, dass die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland möglicherweise gekauft wurde. "Wir haben keinen Beweis für einen Stimmenkauf, können ihn aber auch nicht vollständig ausschließen", sagte Christian Druve von der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer.

Konsequenzen könnte dieser vermeintliche Tag der Wahrheit damit erst einmal nur für den früheren DFB-Chef Wolfgang Niersbach haben. Die Freshfields-Ermittler wiesen ihm nach, spätestens im Juni 2015 von den verdächtigen Geldflüssen rund um die WM-Vergabe erfahren, das DFB-Präsidium aber monatelang bewusst nicht darüber informiert zu haben. "Das ist ein völlig inakzeptables Vorgehen", sagte der aktuelle Interimspräsident Rainer Koch.

Direkt vom Konto


Auch den Fluss der 6,7 Millionen Euro zeichnet der Freshfields-Report anders nach, als er von Beckenbauer, Niersbach und den anderen Mitgliedern des WM-Organisationskomitees (OK) bislang öffentlich dargestellt wurde. Demnach gingen zunächst zwischen dem 29. Mai und dem 8. Juli 2002 sechs Millionen Schweizer Franken auf dem Konto der Anwaltskanzlei Gabriel & Müller im Schweizer Kanton Obwalden ein. Überwiesen wurde dieses Geld von einem Konto von Beckenbauer und seinem noch im Juli 2002 gestorbenen Manager Robert Schwan.

Die vom DFB beauftragen Ermittler vernahmen in den vergangenen viereinhalb Monaten 31 Personen - darunter Schlüsselfiguren wie Beckenbauer oder Niersbach sogar mehrfach. Die Juristen sichteten auch knapp 128 000 elektronische Dokumente und E-Mails sowie den Inhalt von mehr als 740 Aktenordnern. (Seite 9)
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