WM mit vielen Besonderheiten

Die Lusail Multipurpose Hall ist die Haupthalle des Turniers und Spielort der deutschen Mannschaft. In ihr finden 15 300 Zuschauer Platz. Das riesige Gebäude mit Glaselementen in Meer-, Perlmutt- und Sandfarben, das äußerlich einer exotischen Muschel ähnelt, wurde eigens für die WM gebaut und hat geschätzt 102 Millionen Euro gekostet. Bild: dpa

Die deutschen Handballer haben bescheidene Ziele für die Handball-WM in Katar. Erstmals werden die Spiele von Michael Kraus und Co. nur im Bezahlfernsehen gezeigt. Insgesamt hält das Turnier im Golf-Emirat einige Besonderheiten parat.

Einen ersten Vorgeschmack auf die WM bekamen die deutschen Handballer schon in Frankfurt/Main. Mit einer Maschine der in Doha beheimateten Qatar Airways reiste der Tross des Deutschen Handballbundes (DHB) am Dienstag zum Turnier in Katar. Vom 15. Januar bis 1. Februar wird der Nachfolger von Titelverteidiger Spanien gesucht.

Wie hat sich die deutsche Mannschaft für die WM qualifiziert?

Eigentlich gar nicht. Unter Bundestrainer Martin Heuberger verlor das Team beide Playoff-Spiele gegen Polen (24:25; 28:29). Doch der Weltverband IHF vergab eine Wildcard an die DHB-Auswahl als bestes Team der WM 2013, das sich nicht qualifizierte. Deutschland hatte in Spanien Platz fünf belegt.

Wie kam es zu dieser Wildcard?

Die IHF hat Australien ausgeschlossen. Dies tat sie mit der Begründung, dass Ozeanien keinen anerkannten Kontinentalverband hat. Dies sei den Australiern bereits vor den für ungültig erklärten Qualifikationsspielen mitgeteilt worden. Das Verfahren ist jedoch nicht nur wegen seiner Intransparenz umstritten. Schließlich hatte Australien zuvor an sieben WM teilgenommen (1999; 2001 bis 2013).

Welche Ziele hat die deutsche Mannschaft?

Nach den Querelen im Vorfeld sind die Ansprüche bescheiden. Offiziell heißt es, das Achtelfinale sei Pflicht. Doch intern ist auf jeden Fall der siebte Rang im Visier, um für Olympia in Rio nicht den vagen Weg über die EM 2016 in Polen einschlagen zu müssen.

Sind die deutschen Spiele im Fernsehen live zu sehen?

Nach langer Hängepartie: ja. Der Bezahlsender Sky hat die Rechte erworben. Damit sind erstmals Handball-Spiele von einer WM oder EM nicht im frei empfangbaren TV zu sehen. Die Verhandlungen von ARD und ZDF mit Rechteinhaber beIN Sports waren gescheitert. Die Tochtergesellschaft des katarischen TV-Imperiums Al Jazeera hatte die Rechte für 80 Millionen Euro gekauft.

Nach welchem Modus wird gespielt?

Die 24 Mannschaften spielen zunächst in den vier Gruppen A bis D die Vorrunde aus. Danach folgt die K.-o.-Phase: Die jeweils ersten vier Teams erreichen das Achtelfinale. Dort geht es mit Überkreuzvergleichen der Staffeln A/B und C/D weiter. Die Sieger kommen ins Viertelfinale, die Verlierer fahren heim. Die Viertelfinal-Gewinner ziehen ins Halbfinale ein, die Unterlegenen spielen in der Platzierungsrunde um die Ränge fünf bis acht. Die acht Mannschaften, die das Achtelfinale verpassen, spielen im Presidents Cup um die Ränge 17 bis 24.

Wer sind die Favoriten auf den Titel?

Nach Experten-Meinungen kommt nur ein Quartett für Gold infrage: Titelverteidiger Spanien, Olympiasieger Frankreich, der WM-Zweite Dänemark und der WM-Dritte Kroatien.

Welche Besonderheiten gibt es bei der WM in Katar?

Zum ersten Mal seit 1958 wird bei den Männern eine WM in nur einer Stadt - Doha - ausgetragen. Zuletzt hatte es das bei den Frauen 2005 in St. Petersburg geben. Alle Spiele finden in nur drei Hallen statt: Ali Bin Hamad Al Attiya Arena (7700 Zuschauer), Lusail Multipurpose Hall (15 300) und Duhail Sports Hall (5500). Alle Hallen wurden für die WM neu gebaut - die Kosten sollen geschätzte 228 Millionen Euro betragen haben. Bei der WM in Katar - der vierten außerhalb Europas nach 1997 (Japan), 1999 (Ägypten) und 2005 (Tunesien) - sind mit 15 so viele Teams aus Europa vertreten wie noch nie.
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