WM-Qualifikation
Holland versinkt im Chaos

So, wie hier Wesley Sneijder, standen die Holländer in letzter Zeit öfter rum: Für "Oranje" geht es am Dienstag in der WM-Qualifikation los. Es gilt einiges gutzumachen. Bild: dpa

Amsterdam. Der niederländische Fußball versinkt im Chaos. Wer gedacht hatte, das peinliche Verpassen der Europameisterschaft in Frankreich sei der Tiefpunkt im Oranje-Land gewesen, der sieht sich in diesen Tagen getäuscht. Statt den positiven Trend aus den Tests vor der EM, als die Frankreich-Starter Polen und Österreich besiegt wurden, fortzusetzen, regiert beim Europameister von 1988 vor dem Beginn der WM-Qualifikation am Dienstag in Schweden wieder die totale Unruhe.

Van Basten zur Fifa


Erst kündigte Assistent Dick Advocaat überraschend seinen Abschied zu Fenerbahce Istanbul an, dann erklärte der andere Co-Trainer Marco van Basten, dass er die Elftal ebenfalls zeitnah in Richtung Fifa verlassen will. Und auch der heftig in die Kritik geratene Fußball-Direktor Bert van Oostveen wird seinen Posten beim einst so stolzen Königlich Niederländischen Fußball Verband (KNVB) aufgeben. "Oranje im Griff des Chaos", fasste das Fachmagazin "Voetbal International" treffend zusammen.

Dass obendrein der altgediente Teambetreuer Hans Jorritsma gegen den Willen des überforderten Bondscoaches Danny Blind gehen soll, macht das Durcheinander perfekt. Angeführt von Kapitän Wesley Sneijder unterschrieb die Mannschaft einen Brandbrief, in dem sie vom Verband die Weiterbeschäftigung des 67-Jährigen forderte.

Und in dieser explosiven Gemengelage soll der Neustart gelingen? Schwer vorstellbar, wie schon die 1:2-Niederlage im Test gegen Griechenland am Donnerstag zeigte. Es war bereits die fünfte Heimpleite der Niederlande in Serie. So schlecht war ein Nationalteam im deutschen Nachbarland zum letzten Mal vor mehr als 80 Jahren.

"Wir sind inzwischen wirklich ein C-Land geworden", sagte der frühere Trainer Aad de Mos, der heute als Experte arbeitet. "Wenn sie mich fragen, hat der KNVB seinen absoluten Tiefpunkt erreicht." Auch Vize-Weltmeister Willem van Hanegem kann mit Blick auf das einstige Aushängeschild des Landes nur noch mit dem Kopf schütteln. "Wenn es nicht so traurig wäre, müsste man eigentlich darüber lachen", sagte van Hanegem dem "Algemeen Dagblad".

Der bereits deutlich angezählte Blind, unter dessen Leitung fünf von elf Spielen verloren gingen, gibt sich vor dem schweren Gang nach Schweden dennoch kämpferisch. "Das war nur ein Freundschaftsspiel, am Dienstag wollen wir unser wahres Gesicht zeigen", sagte Blind. Bei einer neuerlichen Niederlage dürfte es angesichts der unsicheren Strukturen im Verband auch für ihn eng werden. Blinds Kopf liege bereits auf der "Schlachtbank", schrieb "De Telegraaf" martialisch.

Schweden entscheidend


Die Mannschaft weiß um die Bedeutung der Partie in Solna, befindet sich in der schweren Gruppe A doch auch noch Vize-Europameister Frankreich. Und nur der Gruppensieger löst direkt das Ticket nach Russland. "Wir wollen nicht gewinnen, wir müssen", sagte Sneijder. "Mit der Partie in Schweden steht und fällt alles."

Damals ein Rückschlag


Schließlich ging auch der Start in die EM-Qualifikation mit einer Niederlage in Tschechien vor zwei Jahren daneben. Ein Rückschlag, von dem sich das Oranje-Team nicht wieder erholte und der den Beginn des aktuell chaotischen Zustandes bedeutete.

Wir wollen nicht gewinnen, wir müssen.Der niederländische Spielmacher Wesley Sneijder
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