Wolf: Endlich was auf dem Zettel

Die pure Power: Philipp Wolf beim Training am Wochenende in Weiden. Am Mittwoch startet der Altenstädter erstmals bei der Kurzbahn-EM in Netanya (Israel). Bild: G. Büttner

"Pack die Badehose ein ..." - auch daran musste Philipp Wolf vor der Abreise nach Israel denken. Die offizielle "Arbeitskleidung" für den Auftritt bei den Kontinentalmeisterschaften gibt es aber an Ort und Stelle. Heute ist für den Altenstädter der bisher größte Tag in seiner Schwimmkarriere.

Weiden. (mr) Die Kurzbahn-EM in Netanya (25 Kilometer nördlich von Tel Aviv) soll für Philipp Wolf (23), der am Mittwoch mit seinem Auftritt über die 100 Meter Schmetterling in die EM startet, nur Durchgangsstation sein. Der Schwimmer, der für die SG Stadtwerke München startet und in der Landeshauptstadt Bauingenieurwesen studiert, will zu den Olympischen Spielen in Rio. Mit dem Start in Israel ist ein erster Schritt gemacht. Im NT/AZ-Interview sprach der Oberpfälzer kurz vor dem Abflug über Paradestrecken, Finalchancen, Biedermann und fiese Gegner.

Hallo Philipp, gibt es für die internationalen Auftritte eigentlich alles vom Deutschen Schwimmverband gestellt?

Wolf: Brille und Badekappen wurden mir am Wochenende vom Verbandssponsor geschickt. Auf der Badekappe steht leider nicht mein Name drauf. Die Wettkampfhose gibt es dann vor Ort in Israel.

Endlich hat es mit einem Großereignis geklappt. Wie groß ist die Freude bei Ihnen?

Wolf: Die Teilnahme an der Jugend-EM 2010 in Helsinki kam genauso überraschend. Damals gewann ich, noch für den SV Weiden startend, Bronze über 50 Meter Rücken. Das war schon riesig. Aber die EM in Israel ist natürlich das absolute Highlight der bisherigen Karriere. Der Sprung war schwierig, wenn man nebenbei noch Schule und Studium hat. Es hat bei mir fünf Jahre gedauert.

Die 100 Meter Kraul sind Ihre Paradestrecke. Was ist am Samstag drin?

Wolf: In der EM-Meldeliste könnte ich unter den Top-Ten sein. Die Franzosen sind nicht dabei, deswegen rücke ich schon mal vor. Die deutschen Qualizeiten sind ausgerichtet auf die Final-Platzierungen der letzten EM. Wir haben sehr harte Normen, seitdem der neue Bundestrainer da ist. Die Athleten sollen zumindest Halbfinalchancen haben.

Unter den Top-Ten. Das hieße ja, Sie haben Finalchancen ...

Wolf: Das Finale ist sicherlich kein Muss, aber das Halbfinale sollte es schon sein. Also unter die besten 16 sollte ich kommen.

Vor dem Freistil-Rennen starten Sie am Mittwoch über die 100 Meter Schmetterling. Die Rennen liegen zeitlich weit auseinander ...

Wolf: Das wird natürlich eine Umstellung. Den Donnerstag und Freitag muss ich überbrücken, um die Spannung zu halten. Man muss aufpassen, dass man nicht müde wird.

Sie stehen mit Olympia-Medaillengewinnern und Weltmeistern wie Paul Biedermann oder Marco Koch im Team. Wie ist da der Kontakt?

Wolf: Wir haben bisher noch nicht viel miteinander geredet. Aber man kennt sich natürlich, und ich hoffe, die kennen mich auch.

Einige Athleten wie Steffen Deibler haben den EM-Start abgesagt. Die einen wegen der Vorbereitung auf Olympia, die anderen wegen der Terrorgefahr in Israel. Haben Sie auch überlegt abzusagen?

Wolf: Vor der Quali habe ich mich nicht damit befasst. Danach habe ich mich ein bisschen eingelesen. Natürlich denkt man nach, wenn Biedermann, Deibler oder Koch einen Verzicht erwägen. Der Bundestrainer hat ja anfangs auch überlegt, da ist einem vielleicht ein bisschen mulmig. Aber ich denke, dort ist alles sicher.

Wie wichtig ist die EM-Teilnahme für eine mögliche Qualifikation für Rio 2016?

Wolf: Es tut einfach mal gut, dass man was auf dem Zettel hat. Man hat was erreicht, man hat sich für ein Großereignis qualifiziert.

Gilt Rio die volle Konzentration? Muss auch das Studium etwas zurückstecken?

Wolf: Nicht zurückstecken, ich werde vielleicht ein, zwei Klausuren weglassen. Ich will auch das durchziehen. Nach den Klausuren hätte ich noch den ganzen März und April für die Vorbereitung auf die deutsche Meisterschaft Anfang Mai. Da fällt die erste Entscheidung, die ist richtungsweisend. Die, die dort die Normzeiten erreichen, müssen diese später noch einmal bestätigen.

Ist die Kraulstaffel oberstes Ziel?

Wolf: Die Kraulstaffel hat die Qualifikation für die Olympischen Spiele, aber es gibt noch kein Statement vom Verband, ob sie dort auch geschwommen wird. Um nach Rio zu kommen, muss ich wohl die Norm für einen Einzelstart knacken.

Ihre ersten Schwimmzüge machten Sie beim SV Weiden. Wie ist der Kontakt heute?

Wolf: Wenn ich, wie am vergangenen Wochenende, zu Hause bin, schau ich bei den Dehlings, Wolfgang und Peter, vorbei. Die sind immer noch richtig dabei. Wenn ich bei einem Rennen anschlage, dann habe ich schon eine Whats-App von ihnen. Für meine Eltern freut's mich auch. Sie haben lange darauf gewartet.

Spitzensportler haben auch andere, ganz fiese Gegner. Wie schützen Sie sich vor Erkältungen?

Wolf: Vor drei, vier Jahren habe ich penibel darauf geachtet und mich geschützt, da ist es oft schiefgegangen. Mittlerweile bin ich überzeugt, dass mir, wenn ich mich richtig anziehe, nichts passiert.
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