Zeichen gegen den Terror

Nicht nur Ligapräsident Reinhard Rauball (links) und DFB-Interims-Chef Reiner Koch beratschlagten, ob das Länderspiel am Dienstag abgesagt werden sollte. In die Entscheidung war die gesamte DFB-Spitze und die Sportliche Leitung der Nationalmannschaft eingebunden. Bild: dpa

Nach der Rückkehr von der Schreckensnacht in Paris entließ Joachim Löw seine Spieler erstmal zu ihren "Liebsten". Nach Beratungen hat sich der DFB nun entschieden, die Partie am Dienstag gegen die Niederlande nicht abzusagen. Mit der gesamten Bundesregierung soll in Hannover Haltung gezeigt werden.

Die Weltmeister setzen gemeinsam mit Kanzlerin Angela Merkel und allen Ministern ein demonstratives Zeichen gegen den Terror. Nach der Nacht der Extreme im Stade de France, wo die Fußball-Kollegen der Équipe Tricolore nach der fürchterlichen Anschlagsserie mit mehr als 120 Toten an der Seite der deutschen Mannschaft ausgeharrt hatten, werden Joachim Löw und seine Spieler zum Länderspiel gegen die Niederlande antreten.

Der deutsche Fußball, aber auch die Bundesregierung will am Dienstag (20.45 Uhr/ZDF) in Hannover die Verbundenheit mit der auf brutale Weise verletzten französischen Nation dokumentieren. Die "Bild"-Zeitung berichtete, dass Merkel mit dem kompletten Kabinett in die Arena in der niedersächsischen Landeshauptstadt kommen wolle.

Das Ja zur letzten Partie des Jahres sickerte am Sonntag nach letzten internen Abstimmungen der Verbandsspitze mit der Sportlichen Leitung um Löw und Teammanager Oliver Bierhoff über diverse Kanäle durch. "Es darf nicht sein, dass der Terror siegt", hatte DFB-Interimschef Rainer Koch schon vorher den für ihn alternativlosen Kurs vorgegeben. "Nous sommes unis" ("Wir sind vereint"), lautete die deutliche weltmeisterliche Botschaft nach der eiligen Rückkehr von der mit so vielen positiven Hoffnungen verbundenen Frankreich-Reise. Sichtlich gezeichnet verließen die Nationalspieler am Samstagmorgen nach der Landung in Frankfurt die von der Lufthansa kurzfristig nach Paris umdirigierten Sondermaschine.

Das "Wir sind vereint" soll vier Tage nach den schrecklichen Erlebnissen während und besonders nach der 0:2-Niederlage im EM-Endspielstadion in Hannover auf dem Rasen und besonders auch auf den Rängen gelebt werden. Ergebnis, Torschützen, Taktik, sogar die Rivalität mit den Holländern treten für 90 Minuten zurück.

Es dürfe natürlich kein Spiel der "La-Ola-Wellen" sein, betonte Koch. Es sei "kein Freundschaftsspiel wie jedes andere". Einige aktuelle DFB-Akteure haben zusammen mit Löw eine andere Ausnahmesituation bereits erlebt. Nach dem Suizid von Torhüter Robert Enke am 10. November 2009 war ein Länderspiel gegen Chile sofort abgesagt worden. Die zweite damals geplante Partie gegen die Elfenbeinküste (2:2) wurde jedoch ausgetragen; nach der zuvor erfolgten Trauerfeier für den verlorenen Teamkollegen in Hannover.

Die DFB-Führungsriege sprach sich frühzeitig und einmütig für ein Festhalten an der Partie gegen die Holländer aus. "Man darf denen, die uns das angetan haben, nicht den Triumph gönnen", betonte Ligapräsident Reinhard Rauball.
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