Zweites Interview von Franz Beckenbauer - Hoffnung auf Rückkehr in die Normalität
"Wir haben nichts Schlechtes getan"

Franz Beckenbauer ist sich sicher: "Wenn da schwarze Kassen oder Bestechungsversuche gewesen wären, das hätte ich mitbekommen." Zwei Tage nach seinem großen Interview in der "Süddeutschen Zeitung" hat sich der "Kaiser" nun auch noch einmal bei seinem Haussender "Sky" zu der Affäre um die WM 2006 geäußert. Der Tenor war erneut: Ich weiß nicht, wohin die ominösen Gelder damals geflossen sind. Ich habe alles Mögliche unterschrieben, ohne genau zu wissen, was da drinstand. Aber die WM war auf keinen Fall gekauft. "Wir haben nichts Schlechtes getan", betonte er.

Mehr als fünf Wochen nach dem Aufkommen des Skandals um nach wie vor ungeklärte Geldflüsse vor der WM im eigenen Land wird aber zumindest so etwas wie eine Strategie der großen Schlüsselfigur Beckenbauer sichtbar. Ein, zwei Interviews sollen ihm die Deutungshoheit über den Fall zurückbringen. Am Ende steht die Rückkehr in die Öffentlichkeit. Am Dienstagabend war Beckenbauer zum ersten Mal wieder als "Sky"-Experte bei einem Champions-League-Spieltag im Einsatz. Heute soll er in München zusammen mit Boris Becker und Christian Neureuther ein Zentrum für Sportmedizin im Isar-Klinikum eröffnen.

Alles unterschrieben

Gegenüber "Sky" zeichnete der Chef des damaligen WM-Organisationskomitees noch einmal das Bild eines Vorgesetzten, der alles unterschreibt, was Vertraute ihm vorlegen. "Das offizielle Bewerbungspapier für die WM, das Bid-Buch an die Fifa, umfasste 1212 Seiten. Ich kann Ihnen sagen: Ich habe keine einzige davon gelesen. Ich habe das nur getragen, das war schwer genug", meinte er.

Neu war in dem am Montagabend ausgestrahlten Interview höchstens der Versuch, die WM-Bewerbung in den Kontext einer angeblich "völlig anderen Zeit" einzuordnen. "Heute gibt es andere Maßstäbe", sagte Beckenbauer. "Es gab damals noch keine Ethikkommission. Man hat damals noch die Mitglieder des Exekutivkomitees direkt kontaktieren können", meinte er. "Es war die Zeit von 1998 bis 2000. Es war kein Geld da. Die Verbände und Vereine mussten mit dem Nötigsten auskommen. Heute ist das anders. Da gibt es andere Fernsehverträge, auch die Sponsoren- und Ausrüsterverträge sind gestiegen."

Beckenbauer erzählte das, weil die ominösen 6,7 Millionen Euro seiner Schilderung nach "einzig und allein dafür da waren, um die 250 Millionen Schweizer Franken Zuschuss von der Fifa zu bekommen. Um die Weltmeisterschaft überhaupt ausrichten zu können".

Nach den Interviews von "SZ" und "Sky" ergibt sich das Bild eines WM-OK-Chefs, der nicht mehr genau weiß oder wissen will, was er damals alles unterschrieben hat. Der aber nach eigenen Angaben bereit war, alles dafür zu tun, um diese WM nach Deutschland zu holen. Und der sich dafür auch wie selbstverständlich mit einem offensichtlich korrupten System des Gebens und Nehmens eingelassen hat, das rund um die Vergabe von Weltmeisterschaften existiert.
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