Kommentar: RB Leipzig neuer Tabellenführer in der Bundesliga
Wenn Geld auf Kompetenz trifft

(Foto: dpa)
Sport
Deutschland und die Welt
20.11.2016
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39 Spieltage und seit September 2015 (letzter Nicht-FCB-Tabellenführer war nach dem 5. Spieltag der Saison 2015/16 Borussia Dortmund) thronte der FC Bayern an der Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga. Kaum sind die "Mensch, die Bundesliga ist so langweilig"-Meckerer verstummt, gehen die Fußball-Romantiker ob des neuen Spitzenreiters auf die Barrikaden.

Der vom Dosenmagnat Dietrich Mateschitz erst 2009 erschaffene Retortenclub RB Leipzig liegt nun drei Zähler vor den Bayern. Bis zu 250 Millionen Euro pulverte der Österreicher bisher in sein Fußball-Projekt. Vater des Erfolgs ist Ralf Rangnick - das RB-Hirn. Er kreierte die Spielphilosophie, die nicht nur der neue Tabellenführer praktiziert, sondern bis zu den Kleinfeld-Kickern und in allen RB-Standorten weltweit, etwa in Salzburg, New York oder im Ausbildungszentrum in Brasilien, gelehrt wird. Das erleichtert den Austausch von den sieben Spielern, die in den letzten zwei Jahren aus Salzburg, wo sie Champions-League-Erfahrung sammelten, nach Leipzig wechselten.

Das Nachwuchsleistungszentrum in Leipzig ist europaweit einmalig. Die Scouting-Abteilung gräbt Spieler dort aus, wo die Konkurrenz nicht mal eine Schaufel in die Hand nimmt. Stürmer Yousuf Poulsen etwa kam 2013 aus der zweiten dänischen Liga und hat heute einen Marktwert von über sechs Millionen Euro. Rangnick legt Wert darauf, dass sämtliche Neuerwerbungen nicht älter als 24 Jahre sind.

Die Dosen-Millionen werden bei RB strukturiert investiert und der Erfolg ist kein Zufallsprodukt. Der Einwand von Traditionalisten ist gerechtfertigt, dass sich Leipzig die Millionen nicht selbst erwirtschaften musste. Aber was passiert, wenn ohne eigenes Zutun zur Verfügung gestelltes Geld plan- und sinnlos verpulvert wird, führt der Traditionsverein in Hamburg mit den Millionen von Investor Michael Kühne gerade par excellence vor.

Vieles in Leipzig erinnert an 2008: Der andere Retortenclub TSG 1899 Hoffenheim wurde Herbstmeister, brach aber nach der Winterpause ein. Trainer, Sportdirektor und Chefdenker damals: Ralf Rangnick. Er wird daraus gelernt haben.
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