Sport-Kommentar
Nur noch ein Jammer

Joseph Blatter gab eine jämmerliche Figur ab, als er am Montag zu seiner Pressekonferenz erschien. Mit einem unrasierten Gesicht und dem dicken Pflaster im Gesicht, als ob ihm die Acht-Jahres-Sperre einen Schlag versetzt hätte, wirkte er nicht wie der vor kurzem noch mächtigste Mann im Weltfußball. Eher wie ein getriebener Sünder, der die ganze Nacht über seine Fehltritte gebrütet hatte.

Doch der Schein trog. Als Blatter zu seiner Verteidigung ansetzte, war von Einsicht oder gar Reue nichts zu spüren. Statt "Entschuldigung" zu sagen, sprach er von "Schande". Statt Einsichtigkeit zu zeigen, tönte er vom "Kampf für die Gerechtigkeit". Welche Gerechtigkeit? Der tief gefallene Schweizer konnte in den vergangenen Wochen nicht einmal ansatzweise die dubiose und nie schriftlich fixierte Zwei-Millionen-Euro-Überweisung an Michel Platini schlüssig erklären.

Während Blatters Fifa-Karriere auch ohne den langjährigen Bann sowieso beim Fifa-Kongress im Februar 2016 geendet hätte, trifft die Sperre Platini hart. Der Franzose durfte sich vor wenigen Monaten noch als Favorit auf die Blatter-Nachfolge fühlen - trotz vieler Ungereimtheiten in seiner Amtsführung als Uefa-Präsident. Nun keilt er um sich, schimpft über eine "Inszenierung" und ein "erbärmliches Urteil" - ohne den Kern des Problems erkennen zu wollen. Ein begnadeter Fußballer, ein Idol seiner Generation stürzt wie Blatter ins Bodenlose, weil die Gier nach Macht und Geld Hirn frisst - ein Jammer, dass dies im Profifußball mittlerweile Alltag ist.
Weitere Beiträge zu den Themen: Fußball (1549)Kommentare (5731)Sepp Blatter (3)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.