Abschreckung durch Unterkünfte in Lagern
Briefe an die Redaktion

Zum Artikel "Sie wollen raus und lassen niemanden rein" vom 15. und dem Leserbrief vom 18. November:

Mit großer Besorgnis sehen wir die Tatsache, dass immer mehr Asylsuchende in großen Gemeinschaftsunterkünften mit Lagercharakter untergebracht werden. In Weiden müssen schon seit Jahren etwa 120 Flüchtlinge in einer eingezäunten ehemaligen Militärbaracke auf engstem Raum (7 qm pro Person) und auf ungewisse Dauer (!) auf den Ausgang ihrer Asylverfahren warten. Und mit Schrecken hören wir, dass neben dieser Kaserne noch Container aufgebaut werden sollen, um weitere Flüchtlinge diesem Leben auszusetzen.

Lagerunterbringung aber bedeutet: Entnormalisierung der Lebenslage, völliger Verlust an Privatsphäre und Beschränkung privater Planungen, Isolation in den betroffenen Kommunen. Und zahlreiche Untersuchungen belegen: Längerfristige Lagerunterbringung schädigt die Gesundheit, gerade der besonders Schutzbedürftigen, wie etwa der traumatisierten Flüchtlinge.

Hier geht es Menschen um ihre Lebensperspektive. Die Sauberkeit eines Ofens spielt dabei wirklich nur eine sehr untergeordnete Rolle (zumal diese Sauberkeit bei einer Aneinanderreihung von Öfen ohne Ablagemöglichkeit schon schwer genug einzuhalten ist).

Ein großer Teil dessen, was zurzeit von vielen Verantwortlichen als überraschende Notstandssituation beklagt wird (die Politiker hatten offensichtlich die sich seit Jahren verschlechternde Weltsituation nicht mitbekommen!?), ist das Resultat einer jahrzehntelangen - gerade auch in Bayern - verfolgten Politik, auf Abschreckung durch schlechte Unterbringung zu setzen (so bis vor kurzem noch nahezu wortwörtlich in der entsprechenden bayerischen Verordnung).

Mehrere Bundesländer, in denen die große Mehrheit der Zuflucht suchenden Menschen weiterhin in Privatwohnungen untergebracht wird, zeigen dagegen, dass es - entsprechende politische Vorgaben und Bemühungen vorausgesetzt - gelingen kann, vielen Flüchtlingen die überaus belastende Lagerunterbringung zu ersparen. Diesen Weg können und müssen wir auch in Bayern, auch bei uns in Weiden, beschreiten.

Jost Hess, Sprecherdes Arbeitskreis Asyl Weiden

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