Advent, Advent, das allererste Lichtlein brennt

Advent ist eine Zeit voller Erwartung. Die Christen warten auf die Geburt Christi. Große Ereignisse brauchen Vorbereitung. Fragt sich nur, warum das so ist.

In den Geschäften dudelt schon Weihnachtsmusik. Dabei ist es bis Weihnachten noch lange hin. Denn am 29. November beginnt erst die Adventszeit.

Warum sie wichtig ist, darüber sprechen eine Religionslehrerin und eine Forscherin. Regina Geyer unterrichtet an einer katholischen Schule in Hamburg. Andrea Graf von der Universität Bonn erforscht Bräuche.

Warum gibt es Advent?

Regina Geyer: "Advent ist eine Zeit der Vorbereitung, der Vorfreude auf ein Ereignis, nämlich die Geburt von Jesus. Von großen Ereignissen wollen wir uns nicht überraschen lassen. Die brauchen Vorbereitung. Wir alle wissen, dass Vorfreude die schönste Freude ist. Wenn ich etwas sehnsüchtig erwarte, genieße ich es umso mehr, als wenn ich so hinein stolpere."

Andrea Graf: "Advent kommt von dem lateinischen Wort adventus. Das heißt Ankunft. Advent ist das Warten auf die Geburt Christi. Seit dem Jahr 1563 feiert man vier Wochen Advent. Seitdem ist diese Wartezeit etwas Besonderes. Es gab schon früher verschiedene Bräuche, mit denen diese Zeit gemessen wurde. Und die das Warten verkürzen sollten."

Was waren das für Bräuche?

Andrea Graf: "Zum Beispiel gab es den Brauch des Kerbholzes. Für jede gute Tat eines Kindes wurde eine Kerbe in das Holz gemacht. Das sollte an Weihnachten der Beweis für das Christkind sein, dass man sich viel Mühe gegeben hat. Oder das Strohhalmlegen. Man hatte eine Krippe, in die jedes Kind einen Strohhalm legen durfte. Um dem Christkind ein weiches Bett vorzubereiten. Vor etwa 100 Jahren war dies in den Schulen eine Belohnung für gute Leistungen. Diese Bräuche waren Vorläufer des späteren Adventskalenders."

Braucht man heute eigentlich noch die Adventszeit? Warum geht man nicht gleich zu den Geschenken über?

Regina Geyer: "Man braucht sie mehr denn je! Denn unsere Wünsche werden oft sehr schnell erfüllt. Man gönnt sich nicht mehr die Vorfreude und das Abwarten. Sehnsucht nach etwas zu haben, ist für viele leider verloren gegangen. Am liebsten möchten wir uns jeden Wunsch sofort erfüllen. Die Bräuche in der Adventszeit können die Sehnsucht in uns neu wecken. Mit den Lichtern am Adventskranz, die von Woche zu Woche heller leuchten, soll unsere Vorfreude wachsen."

Andrea Graf: "Die Adventszeit war früher eine Zeit der Besinnlichkeit. Die Menschen haben danach noch immer Sehnsucht. Dieses Gefühl wird ja auch auf den Weihnachtsmärkten verkauft. Diese sind allerdings oft so gut besucht, dass es kaum besinnlich zugeht. Die Menschen genießen es trotzdem, sich dort mit Freunden und Familie zu treffen. Für Viele gehört der gemeinsame Weihnachtsmarktbesuch heute zur Adventszeit dazu."
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