Ägyptischer Airbus vermisst
Kairo geht von Absturz aus

Ein Airbus A320 der Fluggesellschaft Egypt Air startet vom Flughafen Istanbul (Türkei). Seit den frühen Morgenstunden wird eine A320 der Egypt Air vermisst. Bild: dpa
 

Als Flug MS804 mitten in der Nacht vom Schirm verschwindet, gibt es zunächst noch Hoffnung. Irgendwann dann Zweifel, Furcht und schließlich Gewissheit: Wrackteile werden gesichtet. Die Ursache des Unglücks ist unklar, ein Anschlag nicht ausgeschlossen.

Kairo. Eine hellblaue Linie auf einer Karte, leicht geschwungen, mit Start in Paris, endet um 2.30 Uhr in der früh im Nichts über dem östlichen Mittelmeer. Der letzte Ort, an dem die Flugroutenseite Flightradar24 die Verbindung MS804 von Egyptair anzeigt. Was danach passierte, bleibt zunächst ein Rätsel. Ein Absturz der Passagiermaschine mit 66 Menschen an Bord ist fast schon sicher. Ein Unglück aufgrund technischen Versagens kann nicht ausgeschlossen werden, ein Terroranschlag aber ist wahrscheinlicher. Auf jeden Fall wäre es die bisher schwerste Flugkatastrophe des Jahres.

Anschlag befürchtet


"Die Situation kann darauf hindeuten, dass die Wahrscheinlichkeit auf ein Machwerk von Terroristen wesentlich höher ist, als dass ein technischer Fehler an dem Flugzeug auftrat", drückte Ägyptens Luftfahrtminister Scherif Fathi etwas umständlich aus, was viele befürchten: einen weiteren Anschlag auf die westliche Welt, einen weiteren Anschlag auf ein Flugzeug, nachdem bereits Ende Oktober 224 Insassen eines russischen Ferienfliegers über der ägyptischen Sinai-Halbinsel abgestürzt waren.

Doch obwohl erste mutmaßliche Wrackteile nach Angaben des griechischen Staatsfernsehens von Suchmannschaften gefunden wurden, ist nichts endgültig sicher. Auch ob es Überlebende gibt, blieb unklar.

Was aber klar ist: Es trifft wieder Ägypten. In der Hauptstadt Kairo sollte der Airbus A320 eigentlich landen. Erst vor rund einem halben Jahr hatte sich die Terrormiliz Islamischer Staat zu dem Attentat über dem Sinai bekannt - die russische Maschine war zuvor im Badeort Scharm el Scheich gestartet, niemand überlebte den Absturz. Ende März entführte ein Mann mit Sprengstoffattrappe eine Maschine der Fluggesellschaft Egyptair nach Zypern. Und nun das.

Auch wenn die genauen Hintergründe unklar blieben und die Maschine dieses Mal nicht in Ägypten, sondern in Paris startete: Die Folgen für das Image dürften erneut schwerwiegend sein. Das Land am Nil war gerade dabei, seine in die Kritik geratene Flugsicherheit zu verbessern.

Tourismus eingebrochen


Die kriselnde Wirtschaft des Landes braucht die Urlauber aus dem Westen. Der Tourismus macht mindestens elf Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Fast 2,9 Millionen Arbeitsplätze sind nach jüngsten Angaben direkt oder indirekt vom Tourismus abhängig - und damit etwa jeder neunte Beschäftigte.

Die Zahl der Gäste war bereits 2013 deutlich zurückgegangen: Es kamen 9,2 Millionen Menschen. 2010 - vor den Umbrüchen durch die arabischen Aufstände und politischer Instabilität - waren es noch mehr als 14 Millionen gewesen. Nach dem Bombenanschlag auf das Flugzeug über dem Sinai 2015 brachen die Buchungen dann dramatisch ein. Der Gouverneur des Südsinai sprach von monatlich 230 Millionen Euro, die dem Land verloren gingen. Zuletzt jedoch äußerten sich Hotel- und Restaurantbesitzer positiver. Denn die unter massivem Druck stehenden Ägypter handelten und investierten in die Flugsicherheit.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte diese vor Wochen als "stark verbessert" bezeichnet. Russland sendete zuletzt Signale, dass es die Verbote für Direktverbindungen in die Urlaubsorte des Landes aufheben werde.

Zweitrangig ist das für die Angehörigen der ägyptischen und französischen Insassen des Flugzeugs. Einige harrten verzweifelt am Kairoer Flughafen aus, auch wenn die Maschine aus Paris niemals ankommen sollte.

Airbus A320Beim europäischen Flugzeugbauer Airbus ist die A320-Familie seit Jahren der Verkaufsschlager. In Toulouse türmen sich die Aufträge für den Mittelstreckenflieger. Seit Produktionsbeginn sind rund 12 500 Exemplare der unterschiedlich großen Serien A318, A319, A320 und A321 geordert worden. Alle Typen haben einen Mittelgang im Flugzeugrumpf. Nach Angaben des Flugzeugbauers sind bisher mehr als 7000 Maschinen davon ausgeliefert, aktuell sind gut 6700 im weltweiten Flugbetrieb. Wegen des Erfolgs der Serie plant Airbus eine deutliche Produktionssteigerung und eine neue Endmontage-Linie in Hamburg. (dpa)
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