Ärztliche Schweigepflicht nicht zerreden

Zum Thema ärztliche Schweigepflicht und Germanwings-Unfall:

Die Überreste sind noch nicht eingesammelt, die Toten noch nicht identifiziert, die Ermittlungen längst nicht abgeschlossen. Und schon geben profilierungssüchtige Politiker aus der dritten Reihe unausgegorenes Zeug von sich. So verlangt der selbst ernannte CDU-Verkehrsexperte Dirk Fischer eine Lockerung der ärztlichen Schweigepflicht für sensible Berufe. Piloten müssten zu Ärzten gehen, die vom Arbeitgeber vorgegeben würden, und die Ärzte müssten die Untersuchungsergebnisse mitteilen. Und natürlich tönt Heiner Lauterbach, der wohlbekannte Erzfeind aller Ärzte, ins gleiche Horn. Die Ärzte zu Spitzeln der Arbeitgeber zu machen, das könnte diesen Herrschaften so passen. Klar wüssten die Unternehmer gern, was ihre Mitarbeiter beim Arzt so alles erzählen - über Mobbing, Frustration, Stress und Ausbeutung.

Beim Führerschein muss jeder Inhaber selbst einschätzen, ob er fahrtauglich ist - das funktioniert seit vielen Jahren. Piloten benötigen mehrmals jährlich das Gutachten eines unabhängigen Fliegerarztes. Ihnen zu unterstellen, dass sie von Stress und Depression keine Ahnung hätten, zeugt bestenfalls von Unkenntnis. Bisher waren vertrauliche Daten vertraulich. Sollten sie in Zukunft an den Arbeitgeber weitergegeben werden und damit natürlich auch an einen überall dreinreden wollenden Betriebsrat, würden Piloten zum gläsernen Menschen. Dies ist mit der grundgesetzlich garantierten Würde des Menschen unvereinbar. Für die Sicherheit wird durch Tests nichts gewonnen, solche Forderungen sind nichts anderes als unüberlegter Populismus. Wenn man mehr Sicherheit möchte, sollte man die Führungskräfte der Piloten, also die Abteilungsleiter und Gruppenleiter, für die Themen Mobbing, Überforderung, Burnout und Depression sensibilisieren.

Wenn man davon ausgeht, dass ein verrückter Pilot eine Gefahr für seine Umgebung ist, dann ist es ein verrückter Abgeordneter umso mehr, und zwar für das ganze Volk. Noch vor den Piloten sollten daher die Abgeordneten zwangsweise dreimal im Jahr zum Psychiater geschleppt und die Ergebnisse im Bundesanzeiger veröffentlicht werden.

Josef Poschenrieder, 92637 Weiden
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