Affäre um Jan Böhmermann
Künstler solidarisieren sich mit Satiriker

Der ZDF-Satiriker Jan Böhmermann sitzt derzeit nicht am Schreibtisch seiner Show "Neo Magazin Royale". Der 35-Jährige steht unter Polizeischutz.
 
Der Anwalt des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan kündigte an, bis in die letzte Instanz klagen zu wollen. Bilder: dpa

Der ZDF-Moderator Jan Böhmermann ist mehr im Gespräch, als ihm recht sein kann. Wegen seines Schmähgedichts über den türkischen Präsidenten Erdogan droht ihm sogar ein Verfahren. Vor allem viele Künstler stärken ihm jetzt den Rücken.

Berlin. (dpa/epd) Die Solidarität im In- und Ausland mit Böhmermann nimmt zu. Unter anderem forderten Schauspieler Matthias Brandt, Pianist Igor Levit und Schauspielerin Katja Riemann in einem offenen Brief, die juristischen Ermittlungen gegen den 35-jährigen Satiriker und Grimmepreisträger unverzüglich einzustellen. Das Schreiben veröffentlicht die Wochenzeitung "Die Zeit" am Donnerstag. Ob es zu einer strafrechtlichen Verfolgung kommt, will die Bundesregierung wohl noch diese Woche entscheiden.

Der ZDF-Moderator hatte vor zwei Wochen in seiner Sendung "Neo Magazine Royale" in einem Gedicht über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan bewusst beleidigende Formulierungen benutzt. Er kündigte das Gedicht in der Sendung als Beispiel für herabwürdigende Schmähkritik an, die nicht erlaubt sei. Die nächste Ausgabe an diesem Donnerstag hat Böhmermann, der mittlerweile unter Polizeischutz steht, jedoch abgesagt.

"Bis in die letzte Instanz"


Rückendeckung bekam Böhmermann auch aus der Politik: "So sehr wir die Zusammenarbeit für die Flüchtlinge schätzen, so unverändert ist unsere Haltung in anderen Fragen, wenn es etwa um Grundwerte wie dasjenige der Pressefreiheit geht", sagte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Er könne nicht nachvollziehen, dass der deutsche Botschafter in der Türkei wegen eines "unmöglichen satirischen Liedes" einbestellt werde: "Das bringt die Türkei nicht näher an uns ran, sondern entfernt uns voneinander."

Die Justiz wird sich auf alle Fälle mit Böhmermann befassen müssen. Am Dienstagabend sagte Erdogans Anwalt Hubertus von Sprenger, mit seinem Mandanten "bis in die letzte Instanz" gegen das Gedicht Böhmermanns vorzugehen. "Wenn ich das Mandat annehme, ziehe ich das auch durch", sagte von Sprenger im ZDF-"Heute-Journal". "Der Präsident verspricht sich die Bestrafung des Betroffenen und verspricht sich auch, dass der in Zukunft das nicht wiederholt, was er gesagt hat, auf zivilrechtlicher Ebene."

Nach Anzeigen gegen Böhmermann und Verantwortliche des ZDF ermittelt die Mainzer Staatsanwaltschaft. Die Bundesregierung prüft einen förmlichen Wunsch der Türkei nach einer Strafverfolgung Böhmermanns wegen der Beleidigung eines Staatsoberhaupts nach Paragraf 103 des Strafgesetzbuchs.

Entscheidung "zeitnah"


Die Bundesregierung wird nach Worten von Kanzlerin Angel Merkel (CDU) "zeitnah" über den förmlichen Wunsch der Türkei nach Strafverfolgung des Satirikers Jan Böhmermann entscheiden. "Ich habe immer gesagt, wir werden einige Tage brauchen, aber nicht Wochen", sagte Merkel am Rande eines Treffens mit den Ost-Regierungschefs am Mittwoch im vorpommerschen Stolpe bei Anklam. Auswirkungen auf die Vereinbarung der EU mit der Türkei zur Flüchtlingsfrage befürchtet die Kanzlerin nicht.

Merkel unterstrich die Bedeutung der Presse- und Meinungsfreiheit. In Deutschland gelte journalistische Freiheit, "und wir werden sie auch einfordern in der Türkei", sagte sie. Als EU-Beitrittskandidat habe sich die Türkei dazu bekannt, auch die Werte der Europäische Union zu akzeptieren.

Diekmann irritiertAm Mittwoch stiftete "Bild"-Herausgeber Kai Diekmann mit einem angeblichen Böhmermann-Interview Verwirrung. Das auf seine Facebook-Seite veröffentlichte Gespräch war übertitelt mit den Worten: "Jan Böhmermann bricht sein Schweigen! Das große Interview zum Erdogan-Eklat!" Später twitterte Diekmann: "Das ganze Leben ist Satire. Man muss sie nur erkennen." Auf Twitter erntete der "Bild"-Chef damit Kritik und den Vorwurf, lediglich Trittbrettfahrer der Affäre Böhmermann zu sein. (dpa)
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