Ahoj, ihr böhmischen Dörfer
Böhmisches Lexikon

A wie Ahoj, der böhmische Gruß: Weit und breit kein Meer in Sicht und trotzdem grüßt Sie der Wandersmann fröhlich mit "ahoj"? Das hat schon seine Richtigkeit, seit sich Ende des 19. Jahrhunderts der Ruf der begeisterten Moldau-Ruderer als allgemeine Grußformel unter Freunden durchgesetzt hat.

B wie Böhmischer Wind: An der böhmischen Grenz' hat's an Fuhrmo' verwaht ...", sangen die Altvorderen. Wenn in Tschechien ein Hoch regiert und in Bayern ein Tief sinniert, dann lässt der Druckausgleich den Böhmwind schon mal zur Orkanstärke anschwellen: "Dulijöh, dulijöh, dulijöh, dulijöh - ganz recht is ihm gscheh'n warum fahrt er so staad, dulijöh, dulijöh, dulijöh."

C wie Choden: Die Chodové sind ein böhmisches Völkchen, die im Mittelalter von den Prager Königen zur Bewachung der bayerisch-böhmischen Grenze eingesetzt wurden. Bis heute pflegen sie vor allem rund um Domažlice/Taus eine reiche Volkskultur mit Dudelsack-Musik und prächtigen Trachten.

H wie Jan Hus: Auf den Mann (1370-1415) aus dem südböhmischen Dorf Husinec bei Prachatice sind die Tschechen zurecht stolz - ein Jahrhundert früher als Martin Luther forderte der Reformator das katholische Establishment heraus und wurde dafür am Scheiterhaufen zu Konstanz, wohin er über die Goldene Straße wanderte, verbrannt.

L wie Livanzen und andere Magentratzerl: Die böhmische Küche ist Teil des bayerisch-böhmisch-wienerischen Feinschmeckerkulturkreises und imponiert mit Knoblauchsuppen, knusprigen Enten und Gänsen, deftigem Schweinebraten mit böhmischen Knödeln und Kraut, in Mohn panierten Schnitzeln und natürlich kunstvollen Mehlspeisen wie Livanzen mit Schlagsahne und Blaubeeren. (jrh)
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