Akustische Archive und Sammlungen im Internet
Der Klang der Welt

Bild: dpa
Regensburg/Weiden. Wie klingt eigentlich Heimat und ganz besonders die Oberpfalz? 35 Studenten der Universität Regensburg in den Studiengängen "Vergleichende Kulturwissenschaft" und der "Medieninformatik" sowie zehn Studenten der Fachakademie für Raum- und Objektdesign Cham haben sich mit dieser Frage auseinandergesetzt. Das Ergebnis sind neun "Klangboxen", in denen der Sound für Kultur und Geschichte der Region steht. Die Macher sehen in den Arbeiten sogar einen "akustischen Spiegel" der Oberpfalz.

Das Klangbeispiel Freizeit setzt sich mit dem Thema "Vom Eisengau zum Vergnügungspark? - Freizeit in der Oberpfalz" auseinander und nimmt den Monte Kaolino in Hirschau als Spiegel des gesellschaftlichen Wandels. Im "Bauantrag" erzählt Autor Toni Lauerer von einem Besuch im Landratsamt - in Gedichtform.

Auch der Klang von Bergfesten, Biergärten und Essen gehört genauso zur Oberpfalz wie die Kirwa. Wer bisher dachte, dass es im Wald still wäre, kann sich in der Boxen vom Gegenteil überzeugen. Der Klang der Natur ist ebenso vielfältig wie die Oberpfalz selbst.



Die gelebte "freundschaftliche Feindschaft" zwischen Franken und Oberpfälzern findet ihren sprachlich-kabarettistischen Höhepunkt bei der "Fastnacht in Franken" mit der "Altneihauser Feierwehrkapell'n".

Ausstellungstermine und -orte22.09. – 13.10.2014: Stadtbibliothek Amberg
November: Universität Regensburg
Klänge, Texttafeln, multimedialeSpiele und Anwendungen sowie begleitende Fotografien vermitteln die neun Schwerpunkte der Ausstellung wie zum Beispiel Musik, Bräuche, Sprache oder Mobilität. Ob Luchsschrei oder Dönerbude, alle Geräusche und Klänge werden in ihre historischen oder aktuellen Bezüge eingebettet.

Zu der Ausstellung erscheint das „Libretto“, eine Broschüre mit dazu gehörenden Texten.

Der Klang der ganzen Welt


Nicht nur die Oberpfalz hat ihren typischen Klang. Wie klingt schmelzendes Wasser in Grönland? Wie klingt es an der Autobahn mitten in den USA oder welche Geräusche machen Baumfrösche auf Hawaii?

In den vergangenen Jahren haben sich Präsentationen von Klangaufnahmen, die als akustische Landkarten dienen, verbreitet. Auf der Basis eines Stadtplans wird an bestimmten Orten ein akustischer Ausschnitt hörbar, der diesen Ort dokumentiert. Diese sogenannten „Soundmaps“ können folglich als Klangarchive dienen. Internetnutzer sind dazu aufgefordert, eigene Aufnahmen zu erstellen und in die Karte einzufügen. Bei den meisten Aufnahmen habndelt es sich weniger um Geräusche aus dem privaten Bereich, sondern um den „Klang der Welt“ im öffentlichen Raum.

Bereits in den 1960er Jahren hat der kanadische Musikforscher und Komponist Raymond Murray Schafer das Projekt „World Soundscape“ ins Leben gerufen, um die Aufmerksamkeit des „Betrachters“ nicht nur auf das Sichtbare, sondern auch auf das Hörbare zu lenken. Seine persönliche Abneigung gegen die sich schnell und stark verändernde Klangkulisse der kanadischen Stadt Vancouver gilt als Auslöser für dieses Projekt. Mittlerweile sind diese Klangsammlungen von historischem Interesse: Geräusche verschwinden aus dem persönlichen Umfeld, neue Töne kommen hinzu.



Im Rahmen des Projekts hat sich 1975 eine Forschungsgruppe auf Europatour begeben. Bei den Klangbeispielen aus Schweden, Deutschland, Italien, Frankreich und Schottland ging es vor allem darum, Unterschiede zwischen verschiedenen Gesellschaften zu untersuchen. Eine neuer Aspekt der Klangforschung und -archivierung hat damit das „reine Speichern“ ergänzt: Geräusche, die für Gemeinschaften, sowie für deren alltäglichen Rhythmus charakteristisch sind.

Eine dieser „Soundmaps“ gibt es auf der Internetseite von aporee : Zu finden sind bei dem „Non-Profit-Unternehmen nicht nur der wunderbare, entspannende Beispiele aus der unberührten Natur, sondern auch Geräusche von Straßen, „akustische Stadtansichten“ und scheinbar nebenbei aufgenommene Szenen aus Cafes. Dokumentarisch und exemplarisch.


Screenshot: aporee.org

Bei dem Projekt von aporee können Nutzer in einer „OpenStreetMap“ selbst Orte anlegen und Geräusche, Klänge und Sequenzen hochladen. Damit erweitert sich das Klangarchiv ständig. Kein Kontinent bleibt undokumentiert. Einige Gebiete auf dem Globus sind dennoch „unentdecktes Land“.

Zu diesen akustisch noch zu dokumentierenden Regionen gehört derzeit auch die Oberpfalz. Einzig ein Beispiel aus dem Bayerischen Wald bei Cham ist hinterlegt. Franken scheint schon etwas lauter - oder die Einwohner aktiver zu sein. Nürnberg, Bayreuth und Hof sind mit Beispielen markiert ebenso Großstädte wie München, Frankfurt, Berlin und Hamburg.