Alle mal herhören

Manchmal schmelzen Mitarbeiter dahin, wenn das Gegenüber zu ihnen spricht. Ein anderes Mal sind sie schwer genervt. Die Stimme hat einen enormen Einfluss auf uns - gerade im Job. Wer von Natur aus keine eindrucksvolle Stimme hat, kann mit kleinen Tricks nachhelfen.

(dpa/tmn) Sie kann betören, summen, brummen, säuseln oder ganz schön nerven: die Stimme. Noch bevor wir die Worte wahrnehmen, registrieren wir den Klang der Stimme. Das stellt sofort die Weichen dafür, wie das Gesagte auf uns wirkt. "Es dauert eine Viertelsekunde, bevor wir den Inhalt verstehen, aber vorher nehmen wir bereits die Stimme wahr", erklärt der Salzburger Stimmcoach Arno Fischbacher. Das kann fatale Folgen haben. Denn im Job geht es schließlich darum, andere von sich, seinen Projekten und Qualitäten zu überzeugen. Die gute Nachricht lautet: Man kann den Klang der Stimme trainieren.

Körperhaltung:Es scheint wie eine Binsenweisheit, doch wer überzeugen will, muss Haltung annehmen oder wie ein König daherkommen. "Stimme ist hörbare Körpersprache", erklärt Fischbacher. "Wie wir stehen oder sitzen, so klingen wir." Wer im Meeting zu Wort kommen will, sollte sich zuerst bewusst aufrecht hinsetzen, sich von der Lehne lösen und den Bodenkontakt suchen. Schon fühlt man sich exponiert und erhaben, was sich unmittelbar auf die Stimme auswirkt.

Und nicht nur das: Beim Aufrichten arbeitet das Zwerchfell besser, was entscheidend für den Klang ist. Außerdem schafft das für die Stimme mehr Volumen. Ganz zu schweigen von dem Kehlkopf, der dadurch mehr Platz hat. Wer das perfektionieren will, nutzt außerdem den ganzen Mundraum. "Der Abstand der Zahnreihen sollte sowohl beim Sprechen als auch bei geschlossenem Mund etwa einen halben Zentimeter betragen, dadurch weitet sich der Mundraum", erklärt Monika Hein, Sprechtrainerin aus Hamburg.

Entspannen: Das alles allerdings klappt nur, wenn Kehle, Mund und Brust entspannt sind. "Vor wichtigen Terminen kann man den Brustkorb abklopfen und dabei Töne machen, dass sie wackeln. Das lockert und kräftigt die Stimme", ergänzt Stimmbildnerin Sabine Klecker. Hein rät zu Genusstönen: "Ein genussvolles Hmmmm entspannt die Kehle und lässt uns den entspanntesten Ton unserer Stimme hören, der in der Regel angenehm ist", sagt sie. Der summende Ton klinge dann bis in die Brust, weil sich der Kehlkopf etwas senkt.

Da viele klassische Stimmübungen nur nach langem Training wirken, rät der Österreicher Fischbacher zum Blödeln. "Das macht man am besten morgens vor dem Spiegel, also Grimassen schneiden und dabei Töne machen, plappern wie ein Baby, Zungenübungen oder einen Schmollmund machen und Gähnen." Das entspanne, dehne und lockere die Stimmmuskeln.

Gehör verschaffen: Nur wer mit dem Brustton der Überzeugung spricht, wird auch gehört. Das aber ist in Meetings oder langen Vorträgen mitunter ganz schön schwierig. Da quatschen zwei ständig miteinander, die Aufmerksamkeit nimmt ab, leises Gemurmel im Hintergrund ist die Folge. "Wer dann die Stimme erhebt, wirkt schnell unsouverän oder wird in die Rolle eines autoritären Lehrers oder Elternteils gedrängt", erzählt Klecker. Außerdem klinge die Stimme dann meist angespannt, was sich negativ auf die Situation auswirkt.

Herrscht eine unruhige Stimmung im Raum, helfe es auch, einfach mal aufzuhören zu reden und eine körperliche Präsenz einzunehmen. "Man muss den Zuhörern manchmal auch eine Pause gönnen und akzeptieren, dass sie sich noch austauschen wollen", erklärt Hein. Sie rät, auch in solchen Situationen anschließend die ruhige Stimme zu nutzen, anstatt genervt zu ermahnen.

Fischbacher rät zu Beginn von Meetings zu einem Floskelverbot: "Wenn man eine Präsentation beginnt oder ein Meeting eröffnet, sollte man nicht mit den üblichen Phrasen starten", rät er. Das lasse die Stimme automatisch etwas zu hoch, neutral und unpersönlich klingen. Wer versucht, seine Zuhörer schon zu Beginn emotional und individuell zu erreichen, sollte vom Start weg den Dialog suchen, also zum Beispiel eine Frage an sein Publikum richten. Dadurch schalte sich ganz automatisch die Beziehungsstimme ein. Der Zuhörer fühlt sich eher persönlich angesprochen.

Zuhören: Eine gute Übung sei, bei nicht ganz so wichtigen Gesprächen, in den ersten Sekunden der Unterhaltung nur auf die Stimme des Gegenübers zu achten, nicht auf den Inhalt. "So findet man heraus, wie die Tonalität des Gegenübers auf mich wirkt und ich kann herausfinden, was alles unbewusst auf mich einprasselt, wenn andere sprechen", erklärt Fischbacher. Das schärft die Wahrnehmung.

Einen Punkt machen: Die von Natur aus schönste Stimme hilft allerdings nichts, wenn man nuschelt. "Til Schweiger hat das zu seinem Markenzeichen gemacht, im Alltag aber funktioniert das meist nicht", wendet Sprechtrainerin Hein ein. Auch eine überkorrekte Artikulation lässt Zuhörer schnell aussteigen.

Ein weiterer wichtiger Punkt in der Stimmarbeit setzt ein, wenn Berufstätige merken, dass sie in Bandwurmsätzen sprechen. Ein einfacher Tipp: Nach jedem Satz einen Punkt denken und danach eine kleinen Pause machen. "So geht die Stimme automatisch nach unten, und man setzt Akzente, der Zuhörer kann das Gesagte verarbeiten." Zur Übung kann man den Punkt auch einfach mal sprechen, um sich der Wirkung bewusst zu werden.
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