Also weg mit den Fahrrinnen

Zum Vorschlag von Dr. Ulrich Schmid, auf dem Gelände des ehemaligen Bürgerspitals doch eine öffentliche Parkgarage zu bauen:

Dr. Ulrich Schmid mag ein Experte für Stadtentwicklung sein; trotzdem widerspreche ich ihm. Wenn er das um 10 000 Einwohner größere Schweinfurt - ich besuchte dort die Schule - als Beispiel für Amberg heranzieht, vergleicht er Äpfel mit Birnen, da die Altstadt Schweinfurts im II. Weltkrieg dem Erdboden gleichgemacht wurde. Die nach dem Krieg favorisierte "autogerechte" Erschließung der Altstadt war daher möglich und wurde teilweise verwirklicht. Amberg hat das Glück, noch heute über eine historische Altstadt zu verfügen.

Schaut man genau hin, so glänzt das um 25 Prozent größere Schweinfurt keineswegs mit Parkgaragen in der Altstadt. So sind nur drei Garagen innerhalb der Altstadtmauern in der Nähe des Marktplatzes. Eine weitere "zentrumsnahe" Garage liegt weit entfernt unmittelbar an der Stadtmauer. Vor der Stadtmauer werden zwei Hochgaragen privat betrieben (Kaufhof und Einkaufszentrum Marienbach). Amberg hat vier Garagen in und unmittelbar an der Altstadt. Die Fußwege in Amberg sind sogar kürzer als in Schweinfurt, da unsere Altstadt kleiner ist.

Wenn die Zahl der öffentlichen Parkplätze das entscheidende Kriterium für den Geschäftserfolg wäre, müsste der Malteserplatz beste Lage in Amberg sein. Dort gibt es über 60 Stellplätze auf und in unmittelbarer Nähe des Platzes. Ist er eine 1A-Lage? Unverständlich ist die Feststellung von Dr. Schmid, dass das Siechtum der Untere Nabburger Straße von der "Weltreise" herrühre, die man machen müsste, um mit dem Pkw dorthin zu kommen. Ich meine, dass die Straße nicht angenommen wird, weil sie zu "autofreundlich" gestaltet ist. Die Gehsteige sind so schmal und holprig, dass die Straße eine "No-Go-Area" für Menschen mit Kinderwagen oder Rollatoren ist.

Auch mir passt sie nicht, sobald das Auto geparkt ist und ich Fußgänger bin. Übrigens hatte ich erst gestern in der Unteren Nabburger Straße zu tun. Ich parkte in der halbleeren Bahnhofgarage. Meine "Weltreise" war in drei Minuten erledigt.

Die Expertise von Dr. Schmid "gute Erreichbarkeit und Parkmöglichkeit ... wie in der Marienstraße" lässt mich ins Grübeln kommen. Ist sein Chauffeur der gleichen Meinung? Ich jedenfalls meide die Marienstraße, wann immer es möglich ist. Was wir brauchen, ist eine attraktive Altstadt, die zum Verweilen und Flanieren einlädt.

Also weg mit den Fahrrinnen für Autos und den Schikanen für Fußgänger und Radfahrer. Die Altstadt braucht eine barrierefreie, gemeinsame Verkehrsfläche für alle, ob Fußgänger, Rad- oder Autofahrer.

Erwin NiklausAmberg

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