Alter Schatz ganz modern
Leserbrief

Zum Bericht über den Vortrag des Theologen Pierre Stutz "Konsequent innehalten" und das dazugehörige Angemerkt "Reichlich mystisch" in der Ausgabe vom 26. März.

Ich war live dabei, als Pierre Stutz in Neustadt sprach. Es hat nicht nur mich gefreut, dass er Teresa von Ávila so hervorgehoben hat. Jetzt am 28. März feierten wir ihren 500. Geburtstag.

An dieser Frau aus dem Mittelalter, die von Rom aus erst 1970 als erste Frau überhaupt zur Kirchenlehrerin erhoben wurde, kommt keiner vorbei, der heute wenig anfangen kann mit "verordneter Gebetspraxis", dafür aber auf der Suche ist nach persönlich, innewohnendem Beten.

Ganz modern ist auch Meister Eckhart, ebenfalls ein Mystiker aus dem Mittelalter. Das macht ja die Bedeutung und Größe dieser Mystiker aus, dass ihre Einsichten für Fragen von heute zutreffend hilfreich sein können. Auch die evangelische Theologin Dorothee Sölle, mit der Stutz persönlich Kontakt hatte, schöpfte ihre Kraft auch für politisches Handeln aus der Mystik.

Nichts gegen Sport, Ehrenamt und Gespräch, doch es gibt einen Reichtum in der Kirche, der tiefer gründet. Aus ihm schöpft Pierre Stutz. Und diesen modernen, alten Schatz hat er in bescheidener, redlicher, offener und auch humorvoller Weise seinen Zuhörern dargelegt.

Diesen Vortrag in der Verbindung mit der Persönlichkeit des Referenten habe ich als wohltuend erfrischend und befreiend erlebt. Er wird mir eine Stütze sein - und das nicht nur, weil es grad so schön zu seinem französisch ausgesprochenen Namen klingt. Dagegen erschien mir das Angemerkt doch recht platt und vereinfacht.

Christa FischerWurz

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