Alternativen zur Wegwerfgesellschaft
Ein Baukasten für Smartphones

(Foto: Norbert Lorenz - pixelio.de)

Die meisten Smartphones lassen sich schlecht reparieren. Das Baukastenprinzip soll das ändern – und gleichzeitig die Kosten für die Verbraucher und die Umweltbelastung reduzieren.

Die Kurzlebigkeit von Smartphones ist ein großes Thema. Im Jahr 2014 war sie mit Schuld daran, dass Deutschland 1,8 Millionen Tonnen Elektroschrott produzierte. Im Schnitt werden Smartphones in Deutschland nur zwei Jahre genutzt. Durch ständige technische Innovationen veralten die kleinen Alleskönner schnell. Entweder steht man nach zwei Jahren da und hat ein eigentlich voll funktionstüchtiges Gerät, das Probleme hat, die neusten Apps zu öffnen oder der Akku gibt mittlerweile den Geist auf, sodass man mit dem Gerät nur noch durch den halben Tag kommt. Neuere Geräte sind einfach schneller, haben einen größeren Akku und das neueste Betriebssystem.

Der Trend zur Kurzlebigkeit wird in der Mobiltelefonbranche immer größer. Damit die Smartphones schmaler werden, werden die einzelnen Elemente immer dichter zusammengebaut oder sogar geschweißt. Das macht eine Reparatur fast unmöglich bzw. rentiert sich finanziell für den Nutzer nicht. Ein neues Smartphone kostet oft nur einen Bruchteil mehr als die aufwendige Reparatur. Eine Alternative zu dieser Wegwerfmentalität sind Baukastentelefone. Je nach Ausrichtung des Anbieters stehen hier die Fairness und der ressourcenbewusste Gedanke im Vordergrund.

Das Fairphone – Fairness und Nachhaltigkeit


2013 tauchte das Fairphone das erste Mal im Internet auf und ist bis heute das einzig verfügbare Baukasten-Smartphone. Über eine Crowdfunding-Plattform wurde die erste Version des Fairphones finanziert. Das Mobiltelefon bringt Transparenz in den kompletten Lieferprozess. Ziel ist es, ein langlebiges Produkt zu schaffen, faire Löhne zu garantieren und Rohstoffe aus nicht-kriminellen Bereichen zu erwerben. Mittlerweile wird die verbesserte Variante „Fairphone 2“ angeboten.

Das Mobiltelefon besteht aus 7 Einzelteilen. Austauschbar sind der Bildschirm, das Kameramodul, der Akku und weitere Module des Smartphones. Geht eines dieser Teile kaputt, kann man sich auf der Herstellerseite einfach ein neues Modul bestellen. Die Einzelteile sind um ein vielfaches günstiger, als ein komplett neues Smartphone. Der Bildschirm kostet etwas mehr als 80 Euro und der neue Akku ist schon für knapp 20 Euro zu haben. Die Ersatzteile sollen dazu motivieren, das Gerät selbst zu reparieren. Die Leistung des Handys ist solide – dennoch bleibt zu hoffen, dass der Hersteller mit der Zeit auch neue, verbesserte Ersatzteile anbieten wird, sodass das Gerät noch lange mit den Anforderungen neuer Apps mithalten kann.

Google Ara und das PuzzlePhone


Weitere Baukastentelefone sind in Planung. Findige Köpfe arbeiten daran, unsere Alltagstechnologie nachhaltiger zu machen, wie der große Bedarf an entsprechenden Kompetenzen auf dem IT-Stellenmarkt zeigt. Auch der Internetgigant Google wollte bereits 2015 ein eigenes Baukastentelefon auf den Markt bringen, momentan wird das Datum jedoch immer weiter nach hinten geschoben. Das Projekt wird als „Google Ara“ bezeichnet. Hier soll der Kunde eine Vielzahl an spannenden Bauteilen zur Verfügung gestellt bekommen. Je nach Auswahl der Elemente können Einsteigergeräte oder Smartphones auf Flagship-Niveau zusammengebastelt werden. Die einzelnen Elemente sollen von externen Herstellern angeboten werden. Google bietet die Hauptplatine an, die entweder für ein 4“, 4,5“ oder 5“-Handy angeboten wird. Und von dort aus kann der Nutzer sich aus Elementen wie Akkus, Kameras, Lautsprechern und vielem mehr sein Smartphone zusammenbasteln.

Das finnische Unternehmen Circular Devices bastelt momentan am „PuzzlePhone“. Das Projekt wird von der Europäischen Union unterstützt. Noch ist das Gerät nicht auf dem Markt, die ersten Geräte sollen Ende 2016 ausgeliefert werden. Das PuzzlePhone soll aus drei Elementen bestehen: dem Gehirn, das die Leistung des Smartphones bestimmt, der Wirbelsäule, die die Struktur des Smartphones bestimmt und das Display beinhaltet, sowie das Herz, das Batterie und weitere Technik beinhaltet. Bis auf die Batterie soll das Smartphone eine Lebensdauer von ungefähr zehn Jahren haben. Das lässt hoffen, dass Smartphones schon bald keine Wegwerfartikel mehr sein werden, wie es heute noch der Fall ist.
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