Am 9. November vor 75 Jahren reihte sich ein Verbrechen an das andere
Eine Nacht voller Schrecken

So sah es nach dem 9. November 1938 vor vielen Geschäften aus, die jüdischen Deutschen gehörten. Bild: dpa
Vermischtes DE/WELT
Deutschland und die Welt
06.11.2013
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Brandstiftung, Mord und vieles mehr: Am 9. November 1938 reihte sich in Deutschland ein Verbrechen an das andere. Und die Polizei schaute zu. 75 Jahre ist das nun her. Und noch heute können viele Menschen kaum fassen, was damals passierte.

Es kracht und klirrt. Ein Mann in Stiefeln schlägt mit einer Eisenstange ein Schaufenster ein. Ist es kaputt, nimmt er sich den nächsten Laden vor. So wie er sind zahlreiche Schlägertypen im Jahr 1938 unterwegs - in der Nacht vom 9. auf den 10. November in Deutschland. An vielen Orten scheppern die Scheiben.

Überall klirrt es

"Es klang, als würden Dutzende von Waggons voller Glas umgekippt", so erinnert sich später der Autor Erich Kästner an diese Nacht. "Es klang, als bestünde die ganze Stadt aus nichts wie krachendem Glas." Erich Kästner fährt damals als junger Mann mit dem Taxi durch Berlin. "Es war eine Fahrt, wie quer durch den Traum eines Wahnsinnigen", schreibt er später. Denn nicht nur Scheiben gehen kaputt. Die Randalierer zünden Häuser, Gotteshäuser und Geschäfte an. Überall brennt es. Damit nicht genug: Menschen werden brutal verprügelt oder gar ermordet. Viele schreien um Hilfe. Aber Polizisten und Feuerwehrleute sehen meist nur tatenlos zu. Wie kann das sein?
Hinter den Verbrechen stecken die Nazis. So werden die Anhänger des damaligen Herrschers Adolf Hitler genannt, der von 1933 bis 1945 in Deutschland die Macht hat. Die Nazis hassen jüdische Menschen und hetzen auch viele andere Leute gegen sie auf. Sie erzählen Lügen über Juden und behaupten etwa, dass sie weniger wert seien als andere. Rund um den 9. November lassen die Nazis ihrem Hass freien Lauf - nicht nur in der Hauptstadt Berlin, sondern in ganz Deutschland.

Ganz gezielt

Die Nazis zerstören gezielt jüdische Geschäfte, Firmen, Wohnungen und Gotteshäuser. Polizisten und Feuerwehrleute dürfen nicht eingreifen. Das haben ihnen die Nazis verboten. "Einige Menschen versuchen, ihre jüdischen Nachbarn zu schützen. Aber viele machen bei der Randale mit, auch viele Jugendliche", erzählt Christoph Kreutzmüller. Er ist Fachmann für Geschichte. "Die Stimmung heizte sich immer mehr auf, weil lautmäulige Schläger das Sagen hatten", meint er.

In vielen Städten dauert der Terror mehrere Tage. Die Nazis stecken Tausende Juden in Gefängnisse oder Lager. Mehr als tausend jüdische Menschen werden umgebracht. Schon vorher hatten die Nazis den Juden das Leben mit Verboten schwer gemacht. Aber der 9. November ist der Auftakt für noch schrecklichere Taten. In den folgenden Jahren werden Millionen Juden, aber auch andere Menschen, von den Nazis verhaftet und getötet.

Solche Verbrechen sollen nie wieder geschehen. Auch deswegen sollen die schlimmen Taten der Nazis nicht in Vergessenheit geraten. Darum erinnern die Menschen immer wieder daran. (dpa)
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