Amberger Gymnasiasten erfahren im Wasmeier-Museumsdorf viel über unsere Vorfahren
"Weibasterm is kei Verderm"

In Schliersee hat sich der frühere Weltklasse-Skifahrer Markus Wasmeier mit seinem Museumsdorf einen Lebenstraum erfüllt. Bild: hfz
Vermischtes DE/WELT
Deutschland und die Welt
11.10.2011
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Nach einer vierstündigen Busfahrt erreichten wir, die Klasse 8c des Max-Reger-Gymnasiums Amberg, endlich unser Ziel - das Markus-Wasmeier-Freilichtmuseum in Schliersee. Im Museumsdorf wurden wir sofort freundlich empfangen.

Unser Führer erzählte uns zunächst etwas über Wasmeiers Lebenslauf und wieso er dieses Museum aufgebaut hatte. "Wasi" gewann 1994 zweimal olympisches Gold, wurde 1995 Weltmeister und 1999 zum "Wintersportler des Jahres" ernannt. Er ist immer noch sportlich aktiv. Sein größtes Anliegen war es nach seiner Karriere, das kulturelle Erbe seiner Heimat zu pflegen und an junge Leute weiterzugeben.

Deshalb baute Wasmeier das 60 000 Quadratmeter große Museumsdorf auf, das 2007 eröffnet wurde. Zehn Jahre hatte es gedauert, die zwölf historischen Gebäude detailgetreu zu restaurieren und wiederaufzubauen. Heute gibt es in diesem lebendigen Dorf sogar Tiere, wie beispielsweise Wollschweine.

Tödliches Bier

Wir wurden zunächst am Dorfwirtshaus vorbei in die Brauerei geführt. Dort erfuhren wir, wie die Menschen früher ihr Bier brauten. So mancher war geschockt, als unser Führer uns erklärte, dass Bier trinken früher sogar tödlich sein konnte, weil man beim Brauen damals noch keine Hefe verwendete. Beispielweise wurden Fliegenpilze benutzt, um dem Bier die richtige Würze zu geben.
Danach ging es zum Kräutergarten. Dort wurden uns die zu dieser Zeit typischen Kräuter des bäuerlichen Küchengartens gezeigt. Wir hörten, dass sich zu dieser Zeit kaum jemand einen Arzt leisten konnte. Doch das, was uns am meisten in Staunen versetzte, war die Tatsache, dass man sich bei lebensgefährlichen Erkrankungen manchmal lieber selbst vergiftet hat, als doch einen Arzt aufzusuchen.

Als nächstes besichtigten wir den Rieder-Hof, der im Zustand aus dem Jahr 1730 wiederaufgebaut wurde. Wir bemerkten, wie eng gebaut die Höfe waren. Beim Lukashof erfuhren wir, dass jeder Bewohner beim gemeinsamen Essen seinen eigenen Löffel hatte und das Sprichwort "den Löffel abgeben" den Tod dieser Person bedeutete. Auch war es in der Küche aufgrund der Zugluft meist sehr kalt, denn die Türen mussten wegen des Rauchs vom offenen Feuer auch im Winter offenstehen.

Die Bäuerin hatte für das Feuer zu sorgen. Wenn sie es ausgehen ließ, entsprach das einer Scheidung und schlimmstenfalls wurde sie aus dem Dorf gejagt. Zudem bedeutete das unabsichtliche Verlöschen des Herdfeuers im Aberglauben großes Unheil für den Hof, wie etwa den Tod eines Tieres.

Im Sitzen geschlafen

Dazu wurde uns der passende Spruch "Weibasterm is kei Verderm - Viehverrecka kann an Bauern schrecka!" genannt. Lediglich an Ostern ließ man das Feuer absichtlich ausgehen, weil man neues vom Osterfeuer holte. Außerdem hörten wir mit Staunen, dass die Menschen damals fast in Sitzposition in ihrem überdachten Himmelbett schliefen, da Liegen als Zeichen des Todes gewertet wurde und man außerdem wegen der Atembeschwerden, die man aufgrund des Rauches hatte, im Sitzen besser Luft bekam.

Auf dem Baldachin des Bettes waren Heiligenbilder zum Schutz des Hauses und der Bauern aufgemalt, außerdem legten die Bauern grundsätzlich auch ihre Wertsachen wie Geld und Schmuck auf den Baldachin. Daher kommt die Floskel "etwas auf die hohe Kante legen". Wir hörten auch, dass sich im Winter meistens Ziegen oder Hühner in der Küche befanden, weil die Ställe in dann sehr kalt waren und das Vieh der wichtigste Besitz war.

Schutz gegen Geister

Wir waren beeindruckt, dass die Mauern der Häuser, die meist nur aus normalen, nicht zugeschnittenen Steinen erbaut worden waren, schon Jahrhunderte stehen, ohne dass etwas zusammengefallen wäre. Auf die Frage, warum sich eine Stufe bei der kleinen Haustüre befand, erfuhren wir: Sie war dazu da, dass der Geist, der sich am Boden aufhielt, nicht ins Haus kommen konnte.

Sehr interessant war auch das Strommuseum von Eon Bayern, das ebenfalls im Museumsdorf untergebracht ist. Dort sahen wir, wie Telefon, Toaster, Lampen und Herde früher aussahen. Weil sich die Wirtschaft erholen musste, gab es nach dem Zweiten Weltkrieg besonders viele Erfindungen, wie Hosenbügler, Rasierer und Staubsauger.

Historische Geräte

Viele von uns fanden es sehr beeindruckend, die Küchen im Wandel der Zeit zu sehen. In der ältesten Küche aus der Zeit um 1900 gab es kaum Strom bis auf eine kleine Glühbirne, die nachts herausgedreht wurde. Die Möbel waren aus Holz und den Ofen musste man mühsam anschüren. In der zweiten Küche gab es schon einen Elektroherd und auch mehrere Möbel. Man konnte sogar einen Holzpuppenwagen erkennen. In der neueren Küche befanden sich ein paar moderne Küchengeräte, wie ein Mixer. Zu dieser Zeit, um 1960, war bereits fast jedes Haus mit Strom versorgt.
In dem Museumsdorf gibt es außerdem noch den Beham-Hof, in dem Getreide, Saatgut und andere lebenswichtige Dinge des bäuerlichen Alltags wie Wägen und Rossgeschirr untergebracht sind, sowie den "Wofen", der vor seinem Wiederaufbau im Freilichtmuseum als Gefängnis, Bauernhof, Schankwirtschaft und Schmiede genutzt wurde. Außerdem ist auch noch ein Backhaus in Betrieb. Dort schauten wir zu, wie früher Brot gebacken wurde, das wir auch kaufen konnten.

Star getroffen

Das Highlight dieses Tages war, dass wir Markus Wasmeier nach der Führung noch persönlich kennenlernen durften und er sich viel Zeit für unsere vielen Fragen nahm.

Ann-Kathrin Püttner und die Klasse 8c des Max-Reger-Gymnasiums Amberg(Schuljahr 2010/2011)
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