An einer fränkischen Grundschule integrieren sich Flüchtlingskinder problemlos und ganz nebenbei
Aus der Schulturnhalle in den Unterricht

Richard erklärt dem syrischen Flüchtlingsmädchen Huda während einer Musikstunde eine Aufgabe. (Foto: dpa)
Ahmad, Huda und Doaa sausen lachend durch die Gänge der Grund- und Mittelschule in Margetshöchheim. Schließlich laufen die sieben- bis neunjährigen Kinder auf Schuldirektorin Marion Reuther zu und schauen sie fragend und mit strahlenden Augen an. "Musica?", fragt Reuther nur - und die drei klatschen freudig in die Hände und nicken. Sie besuchen gern die Musikstunde von Reuther. Ahmad, Huda und Doaa sind Flüchtlingskinder. Sie wohnen seit einigen Wochen in der Turnhalle der unterfränkischen Schule im Landkreis Würzburg und dürfen den Unterricht besuchen.

Ein Drittel Kinder


Die Turnhalle ist die Notunterkunft für rund 100 Menschen. Nur durch eine Glastür sind sie von den Schülern getrennt. Es sind vor allem Menschen aus Syrien, Familien mit kleinen Kindern. "Etwa ein Drittel sind Kinder", sagt Direktorin Reuther. Sie ist immer wieder überrascht, wie diszipliniert und beinahe gespenstisch leise es in der Turnhalle seit dem Einzug der Flüchtlinge ist. "Nicht einmal die Babys weinen. Die haben das wohl verlernt. Das ist irgendwie auch erschreckend und erschütternd." Eine Schulpflicht besteht für die Kinder der bayerischen Notunterkunft noch nicht. Die beginnt für ausländische Kinder im Freistaat drei Monate nach ihrer Ankunft in Deutschland - auch, um schwer traumatisierte Kinder erst einmal zur Ruhe kommen zu lassen. In den Bundesländern ist das unterschiedlich geregelt. In Bayern drücken insgesamt derzeit fast 1,7 Millionen Schüler die Schulbank, mehrere Zehntausend davon sind schulpflichtige Flüchtlinge.

Ahmad, Huda und Doaa müssten den Unterricht also eigentlich gar nicht besuchen. Sie sind erst seit wenigen Wochen in Deutschland. Und doch lassen sie sich das Angebot nicht entgehen. Vor allem Musik-, Sport- und Kunstunterricht mache den Flüchtlingskindern viel Freude. Und die anderen Schüler haben sie gern dabei.

"Es macht sehr viel Spaß, wenn sie da sind, und ist überhaupt nicht komisch", sagt beispielsweise der achtjährige Tim. Dass die Kinder verschiedene Sprachen sprechen, sei nicht schwierig. "Es reicht auch einfach lachen", so der Drittklässler.

Schwierig werde es nur, wenn sie auf einmal in andere Orte verlegt werden. "Ich bin auch manchmal traurig, wenn sie weg sind." "Ob nun Flüchtlinge oder nicht - sie sind alle Kinder. Und sie sollen hier eine Insel finden und wertgeschätzt werden", sagt Direktorin Reuther. Das sei an ihrer Grund- und Mittelschule, in der schon seit Jahren Migranten, Behinderte und "gewöhnliche" Schüler in Kooperationsklassen gemeinsam unterrichtet werden, das Wichtigste.

Im normalen Unterricht


Die älteren Flüchtlingskinder besuchen auch den normalen Deutsch- oder Matheunterricht. "Dem können sie natürlich noch nicht so gut folgen. Aber wenn die Klasse Gruppenarbeit hat oder das Tafelbild abschreibt, dann bearbeite ich mit ihnen Arbeitsblätter zum Deutschlernen", sagt Lehrer Martin Walter.

Alle Flüchtlingskinder seien sehr wissbegierig, diszipliniert und fleißig. "Sie lernen unglaublich schnell und sind wahnsinnig willig." Oft beobachtet die Direktorin zudem, dass die Kleinen am Abend mit ihren Eltern auch noch die Deutschkurse für die Erwachsenen besuchen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.