Andere Länder, andere Regeln

Wenig Süßkram, nicht so viel daddeln - was du darfst oder nicht, hängt stark von deinen Eltern ab. Aber auch davon, in welchem Land du groß wirst. In der Erziehung gibt es große Unterschiede.

"Lieber Vater, erlauben Sie mir bitte, fernzusehen." In Deutschland klingt so ein Satz merkwürdig. "Aber in Frankreich gibt es einige Familien, in denen die Kinder die Eltern mit Sie anreden", erzählt Michaela Schonhöft. Sie hat Mütter und Väter aus anderen Ländern gefragt, wie sie ihre Kinder erziehen. Die Eltern aus einem Land sind natürlich nicht alle gleich. Aber es gibt Trends:

Benehmen: "In Frankreich zum Beispiel geht es insgesamt durchaus strenger zu", sagt Michaela Schonhöft. "Da kommt es noch öfter vor, dass ein Kind eine Ohrfeige bekommt, zum Beispiel weil es sich beim Essen nicht gut benimmt." In Deutschland würden sich Eltern zu Recht böse Blicke dafür einhandeln. Hier ist es verboten, Kinder zu schlagen, aber in Frankreich noch nicht.

"Gutes Benehmen am Tisch ist vielen Eltern in Frankreich sehr wichtig", sagt Michaela Schonhöft. Sie versuchen aber auch, ihren Kindern beizubringen, dass Essen eine tolle Sache ist. Etwas, das man sehr genießen kann. "In Frankreich wird oft sehr lange richtig geschlemmt, bis in den Abend. Die Kinder dürfen dabei sein, alles probieren und auch mal an einem Glas Rotwein nippen", erzählt die Fachfrau.

Aufbleiben: Lange aufbleiben - darüber müssen sich Kinder in Frankreich und anderen Ländern nicht lange mit ihren Eltern streiten. Anders als in Deutschland: "Das ist eine deutsche Besonderheit, dass es vielen Eltern so wichtig ist, dass ihre Kinder pünktlich im Bett liegen", sagt Michaela Schonhöft. In Italien oder der Türkei zum Beispiel ist es normal, dass Kinder abends lange draußen spielen. Auch weil es tagsüber oft zu heiß dafür ist.

Allein schlafen: In Deutschland sollen viele Kinder auch schon als Baby im eigenen Bett oder im Kinderzimmer schlafen. Das lehnen viele Eltern in Ländern in Asien strikt ab. "In Japan zum Beispiel ist es üblich, dass die Kinder bis zum Alter von zehn oder elf Jahren bei den Eltern mit im Zimmer schlafen. Dafür gibt es extra breite Matratzen, damit alle Platz haben", erzählt die Expertin.

Fernsehen und Computer: Da haben es die Kinder im Land USA leichter als anderswo. Viele Eltern haben nichts dagegen, wenn ihre Kinder stundenlang fernsehen oder daddeln. Sie drängeln auch vergleichsweise wenig, dass ihre Kinder gesunde Sachen essen sollen. Hamburger, Pommes und Pizza sind okay.

Allein unterwegs: "Aber viele amerikanische Kinder dürfen sich nicht ohne Weiteres allein auf den Weg zu einem Freund machen, auf hohe Bäume klettern oder Ähnliches", erzählt Michaela Schonhöft. "Die Eltern haben Angst, dass ihnen etwas passieren könnte. Sie sind oft entsetzt, was deutsche Kinder alles dürfen. Das finden sie viel zu gefährlich." (dpa)
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